Schweißgerät schweißt nicht: kein Lichtbogen, schwacher oder abreißender Lichtbogen — Fehlersuche Schritt für Schritt
Der Inverter leuchtet, der Lüfter läuft, aber kein Lichtbogen — oder er kommt, ist aber schwach und reißt immer wieder ab. Meist ist das Gerät selbst in Ordnung: Es hakt an einem der sieben Glieder, durch die der Strom muss. Unten die Prüfreihenfolge vom billigsten zum teuersten Schritt, mit Zahlen aus unseren Rechnern.
Kurze Antwort
Der Reihe nach prüfen: Netz (Verlängerung ganz abgerollt, ausreichend dick), Masseklemme (blankes Metall, nah an der Naht), Kabel und DINSE-Stecker (verriegelt, nicht warm), Modus und Polung (MMA/WIG/MIG, basische Elektrode am Plus), Strom passend zum Durchmesser (2,5 mm — 70–100 A), Elektrode (trocken, kein Hülsenrand an der Spitze), Übertemperatur-Lampe (Einschaltdauer). Beim MIG/MAG kommen Drahtvorschub, Stromdüse und Gas dazu, beim WIG Wolfram und Zündart. Erst wenn all das stimmt und an den Buchsen keine Spannung anliegt, ist die Elektronik schuld.

Nach Anzeichen: wo anfangen
Dieselben Anzeichen behandeln wir im Artikel zur Wartung; die Tabelle sagt, wo man zuerst hinschaut.
| Anzeichen | Zuerst prüfen |
|---|---|
| Zündet nicht | Masseklemme, Polung, Unterbrechung im Halter, feuchte Elektrode |
| Schaltet nach ein paar Minuten ab | Einschaltdauer überschritten, verstopfte Lüftungsschlitze, Staub im Gerät, Umgebungstemperatur |
| Schwacher Lichtbogen bei Nennstrom | Masseklemme, Kabelquerschnitt, Steckverbinder, Netzspannung unter Last |
| Unruhiger Lichtbogen, wandernder Strom | Stromdüse (MIG), lockerer Steckverbinder, verschmutztes Wolfram (WIG) |
| Löst die Sicherung aus | Auslösecharakteristik, Absicherung des Stromkreises, aufgerollte Kabeltrommel |
| Löst den FI-Schalter aus | Nässe, beschädigte Leitung, Feuchtigkeit im Gerät — ein echter Fehler, kein Fehlalarm |
| Ein Steckverbinder wird heiß | Nicht fest angezogen oder verriegelt, oxidierte Kontaktfläche |
| Der Draht kommt ruckelnd | Führungsspirale, Vorschubrollen, Stromdüse |
Die ersten vier Zeilen sind Thema dieser Seite. Das Auslösen der Sicherung steht separat unter Schweißgerät löst die Sicherung aus, ruckelnder Draht unter Drahtvorschub-Probleme.
Prüfreihenfolge
- Netz: Steckdose, Verlängerung, Spannung unter Last.
- Masseklemme: blankes Metall, fester Sitz.
- Schweißkabel und Stecker: Sitz, Querschnitt, gebrochene Adern.
- Betriebsart und Polung.
- Strom zum Elektrodendurchmesser und Lichtbogenlänge.
- Elektrode: Feuchte, Hülsenrand an der Spitze.
- Übertemperaturschutz und Einschaltdauer.
- MIG/MAG: Drahtvorschub, Stromdüse, Gas.
- WIG: Wolfram, Gas, Zündart.
Die Reihenfolge ist Absicht: Die ersten fünf Punkte sind in wenigen Minuten ohne Werkzeug geprüft und erklären zusammen die meisten Meldungen „Gerät geht nicht“.
1. Netz und Verlängerung
Der Inverter braucht die Spannung nicht an der leeren Steckdose, sondern in dem Moment, in dem der Lichtbogen Strom zieht. Mit einer 4,0-mm-Elektrode (160 A) nimmt ein Inverter etwa 23 A aus dem Netz — so rechnet unser Rechner für Einschaltdauer bei 230 V. Bei diesem Strom verliert eine 25-m-Verlängerung mit 1,5 mm² etwa 13 V, mit 2,5 mm² etwa 8 V. Das Gerät bekommt dann spürbar weniger als 230 V und liefert entweder einen schwachen Lichtbogen oder schaltet per Unterspannungsschutz ab.
- Kabeltrommel ganz abrollen. Aufgerollt erwärmt sie sich und wirkt wie eine Spule.
- Kurz halten. Die Verluste wachsen mit der Länge. Wer zwischen längerer Verlängerung und längerem Schweißkabel wählen muss, rechnet beides im Spannungsfall-Rechner durch.
- Steckdose und Stecker prüfen. Ein angeschmorter Stecker ist ein Widerstand, an dem die Spannung verschwindet.
- Stromerzeuger. Ein zu kleines Aggregat zeigt dasselbe wie eine dünne Verlängerung: Der Lichtbogen bricht beim Zünden ein. Die Leistung wählt man nach dem Typenschild des Schweißgeräts.
2. Masseklemme
Die häufigste Ursache für fehlenden Lichtbogen und die am meisten unterschätzte. Eine Klemme auf Lack, Rost, Verzinkung oder auf dem Tisch statt am Werkstück leitet schlecht oder gar nicht. Anzeichen: Der Lichtbogen zündet nicht, nur beim „Kratzen“, reißt ab, und die Klemme wird warm.
- Klemme auf blankes Metall setzen — notfalls eine Stelle anschleifen.
- Nah an der Naht anklemmen, am besten am Werkstück selbst. Strom durch Scharniere, Lager oder Tischschrauben sucht sich Kontakte, die dafür nicht gedacht sind.
- Feder und Backen prüfen. Eine ausgeleierte Klemme mit verbrannten Backen wird ersetzt — das kostet weniger als eine Stunde Fehlersuche.
- Verbindung Kabel–Klemme prüfen: gepresster Kabelschuh, feste Schraube, kein grüner Kupferoxidbelag.
3. Schweißkabel und Stecker
Elektrodenkabel und Massekabel bilden eine Schleife, ihre Verluste addieren sich. Unser Rechner für den Kabelquerschnitt nutzt ΔU = 2·ρ·L·I/S. Beispiele bei 160 A, ρ Kupfer 0,0175:
- 10 m Kabel mit 16 mm² — etwa 3,5 V, rund 14 % einer typischen Lichtbogenspannung von 25 V. Noch vertretbar.
- 10 m mit 25 mm² — etwa 2,2 V.
- 20 m mit 16 mm² — etwa 7,0 V. Der Lichtbogen ist deutlich schwächer als „eingestellt“; die Seite Spannungsfall markiert das als zu viel (über 4 V).
DINSE-Stecker müssen eingesteckt und bis zum Anschlag gedreht sein. Ein lockerer Stecker funkt, wird heiß und schmilzt mit der Zeit die Buchse im Gerät an. Ein Kabel mit gebrochenen Adern (typisch am Halter und an der Klemme, wo es knickt) sieht außen heil aus — man findet es nach ein paar Minuten Schweißen mit der Hand: Es wird an einer Stelle warm.
4. Betriebsart und Polung
Multiprozess-Inverter haben einen Schalter MMA / WIG / MIG. Im Modus WIG-Lift gibt das Gerät erst Strom, wenn das Wolfram aufgesetzt und abgehoben wird — eine Stabelektrode „geht“ dann nicht; im MIG-Modus kommt Strom erst mit dem Brennertaster. Prüfen, ob Fernregler oder Fußpedal aktiviert ist, ohne angeschlossen zu sein.
Die Polung hängt von der Umhüllung ab — dieselben Daten wie in unserer Umhüllungstabelle:
- Basisch (B) — DC+, Elektrode am Plus. Am Minus ist der Lichtbogen unruhig und reißt ab.
- Rutil (R, RR, RC) — Wechselstrom oder Gleichstrom beider Polungen.
- Zellulose (C) — DC+ oder Wechselstrom.
- MIG/MAG mit Massivdraht — Brenner am Plus. Selbstschützender Fülldraht (114) braucht oft die umgekehrte Polung — Aufdruck auf der Spule beachten.
- WIG mit Gleichstrom — Brenner am Minus.
5. Strom zum Durchmesser und Lichtbogenlänge
Zu wenig Strom ergibt einen Lichtbogen, der die Elektrode festklebt oder nach dem Zünden gleich ausgeht. Bereiche aus unserer Stromtabelle: Elektrode 2,0 mm — 50–80 A, 2,5 mm — 70–100 A, 3,2 mm — 90–140 A, 4,0 mm — 130–190 A. Mit der Mitte beginnen und nachstellen.
Die Lichtbogenlänge ist die andere Hälfte: Ein Lichtbogen, länger als der Elektrodendurchmesser, verliert Spannung auf dem Weg durch die Luft, spritzt und erlischt. Die Elektrode so führen, dass der Bogen etwa so lang ist wie ihr Durchmesser; das Festkleben behandelt der Artikel Elektrode klebt fest.
6. Feuchte oder beschädigte Elektrode
Eine feuchte Umhüllung zündet schlechter, gibt einen unruhigen Lichtbogen und eine porige Naht. Der zweite Grund ist der „Hülsenrand“: verbrannte Umhüllung, die nach dem letzten Abreißen über den Kernstab hinausragt. Sie isoliert und verhindert das Zünden; man klopft sie mit der Elektrodenspitze am Metall ab. Rücktrocknung nach Umhüllungstyp:
| Umhüllung | Temperatur | Zeit | Lagerung danach |
|---|---|---|---|
| Rutil | 70–120 °C | 1–2 h | Trocken lagern, die verschlossene Packung reicht meist |
| Basisch | 300–350 °C | 2 h | Köcher bei 100–150 °C, geöffnete Packung zurück in den Ofen |
| Zellulose | höchstens 70–80 °C | — | Verschlossene Packung — Trocknen ist unzulässig |
| Sauer | 100–150 °C | 1 h | Trocken lagern |
Zelluloseumhüllte Elektroden werden nicht rückgetrocknet: Sie brauchen ihre Restfeuchte für den Lichtbogen, und mehr als 70–80 °C verträgt die Umhüllung nicht.
7. Übertemperaturschutz und Einschaltdauer
Leuchtet die Übertemperatur-Lampe und stirbt der Lichtbogen nach ein paar Minuten, hat der Thermoschutz ausgelöst — kein Defekt. Die Einschaltdauer nach EN 60974-1 bezieht sich auf 10 Minuten. Der ED-Rechner rechnet den Typenschildwert mit X₂ = X₁·(I₁/I₂)² auf einen anderen Strom um. Beispiel für ein Gerät mit 60 % bei 160 A:
- bei 200 A — etwa 38 %, also rund 3,8 Minuten Lichtbogen von 10;
- bei 120 A — 100 %, Dauerbetrieb.
Löst der Schutz deutlich früher aus, als die ED erwarten lässt, liegt es an der Kühlung: verstopfte Lüftungsschlitze, Staub auf den Kühlkörpern, Gerät an der Wand oder in der Sonne. Nach dem Auslösen nicht vom Netz trennen — der Lüfter muss weiterlaufen.
8. MIG/MAG: Drahtvorschub, Stromdüse und Gas
- Stromdüse. Zu groß oder ausgeschlagen — der Strom geht unsicher auf den Draht über, der Lichtbogen springt. Zu klein oder mit Spritzern zu — der Draht bleibt stehen.
- Vorschubrollen und Anpressdruck. Eine Rolle für einen anderen Durchmesser oder zu wenig Druck lassen den Draht rutschen, der Lichtbogen brennt und erlischt im Wechsel.
- Drahtführungsspirale. Verschmutzt oder geknickt bremst sie den Draht, er kommt ruckelnd. Mehr unter Drahtvorschub-Probleme.
- Gas. Ohne Gas erlischt der Lichtbogen nicht, knistert aber und spritzt, die Naht wird porig. Übliche Menge beim MAG 10–16 l/min; Flasche, Druckminderer und Magnetventil prüfen (es klickt beim Drücken des Tasters).
- Spannung zur Drahtgeschwindigkeit. Zu viel Draht bei zu wenig Spannung — der Draht stößt ins Werkstück und drückt den Brenner weg; zu wenig — langer, unruhiger Bogen.
9. WIG: Wolfram, Gas und Zündung
- Verunreinigtes Wolfram. Nach Kontakt mit dem Bad ist die Spitze mit Metall belegt, der Lichtbogen wandert. Wolfram neu anschleifen, Abwischen reicht nicht.
- Zündart. Bei Lift-Zündung wird das Wolfram aufgesetzt und abgehoben, bei HF springt der Funke ohne Berührung. HF, die nur knistert, ohne dass der Bogen steht: oft zu großer Abstand, kein Gas oder schlechte Masse.
- Gas. Argon, bei Stahl typisch 6–10 l/min. Ohne Gas oxidiert das Wolfram schnell und der Bogen wird unruhig.
- Polung und Modus. WIG-Brenner am Minus; für Aluminium Wechselstrom, falls das Gerät ihn hat.
Wann das Gerät wirklich defekt ist
Ist der Kreis in Ordnung und kommt trotzdem kein Lichtbogen, misst man mit dem Multimeter die Spannung zwischen den Buchsen am eingeschalteten Gerät ohne Last. Sie sollte nahe an der Leerlaufspannung U₀ vom Typenschild liegen (mit aktivierter VRD-Funktion deutlich niedriger — das ist normal). Keine Spannung, Fehlercode im Display, stehender Lüfter oder Brandgeruch — das ist ein Fall für den Service.
Die Kondensatoren im Inverter halten lange nach dem Trennen vom Netz eine gefährliche Spannung. Die Prüfungen auf dieser Seite enden am äußeren Stromkreis; das Innere des Geräts gehört in die Hände des Service.
Typische Fehler bei der Fehlersuche
- Strom hochdrehen statt Kontakt suchen. Mehr Strom über eine schlechte Masseklemme heizt nur die Klemme stärker.
- Masse am Tisch. Der Strom geht über den Kontakt Tisch–Werkstück — eine Stelle, die dafür nicht gedacht ist.
- Neue Packung Elektroden ohne Rücktrocknung. Basische aus einer geöffneten Packung verhalten sich mitunter wie ein „kaputtes Gerät“.
- Gerät nach Auslösen des Thermoschutzes ausschalten. Der Lüfter hört auf zu kühlen, die Pause wird länger.
- Verlängerung auf der Trommel. Sie wird warm, verliert Spannung und kann Schutzschalter auslösen.
Häufige Fragen
Das Inverter-Schweißgerät geht an, schweißt aber nicht — womit anfangen?
Mit dem Stromkreis, nicht mit der Elektronik. Der Lichtbogen ist nur ein Glied: Der Strom muss durch Steckdose und Verlängerung, Gerät, Kabel und Halter, Elektrode, Werkstück, Masseklemme und Massekabel zurück. Meist ist es eine Masseklemme auf Lack oder Rost, ein nicht verriegelter DINSE-Stecker, falsche Polung oder eine feuchte Elektrode. Erst wenn das alles stimmt und an den Buchsen keine Leerlaufspannung anliegt, sucht man den Fehler im Gerät.
Warum reißt der Lichtbogen ab?
Meist wegen eines zu langen Lichtbogens, zu wenig Strom für den Elektrodendurchmesser (2,5 mm: 70–100 A, 3,2 mm: 90–140 A) oder eines lockeren Kontakts im Kreis — Masseklemme, Stecker, gebrochene Adern. Bei basischen Elektroden ist Wechselstrom oder falsche Polung eine häufige Ursache: Sie laufen am Pluspol.
Der Lichtbogen ist schwach, obwohl viel Strom eingestellt ist — was prüfen?
Den Spannungsfall unterwegs. Eine lange, dünne Netzverlängerung frisst über zehn Volt: Bei rund 23 A Netzstrom und 25 m verliert eine 1,5-mm²-Leitung etwa 13 V, eine 2,5-mm²-Leitung etwa 8 V. Auf der Schweißseite verlieren 10 m Kabel mit 16 mm² bei 160 A etwa 3,5 V. Dazu kommen warme Stecker und eine Masseklemme auf schmutzigem Metall.
Das Gerät schaltet nach ein paar Minuten ab und eine Lampe leuchtet — was heißt das?
Der Übertemperaturschutz hat ausgelöst: Einschaltdauer überschritten oder schlechte Kühlung. Die Einschaltdauer bezieht sich auf 10 Minuten. Ein Gerät mit 60 % ED bei 160 A hat bei 200 A nur noch etwa 38 % — keine 4 Minuten Lichtbogen von 10. Nicht vom Netz trennen: Der Lüfter muss das Gerät kühlen, die Lampe geht von selbst aus.
Können feuchte Elektroden schlecht zünden?
Ja. Eine feuchte Umhüllung zündet schlechter, der Lichtbogen ist unruhig, die Naht porig. Basische Elektroden werden bei 300–350 °C 2 Stunden rückgetrocknet, rutile bei 70–120 °C 1–2 Stunden. Zelluloseumhüllte dürfen nicht getrocknet werden — sie bleiben in der geschlossenen Packung.
Das MIG/MAG-Gerät fördert Draht, aber es gibt keinen Lichtbogen — warum?
Der Draht kommt, aber es fließt kein Strom: meist Masseklemme ohne Kontakt, falsche Polung (Massivdraht schweißt mit dem Brenner am Plus), abgenutzte oder zu große Stromdüse oder eine Unterbrechung im Brennerkabel. Fehlendes Gas löscht den Lichtbogen nicht, macht ihn aber knisternd und die Naht porig — ein eigener Fehler.
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