Das Schweißbad
Die fertige Naht sagt, was geschehen ist. Das Schmelzbad sagt, was geschieht — und es ist die einzige Anzeige, die in Echtzeit arbeitet. Die Geräteeinstellung ist eine Näherung; die Bestätigung ist das, was unter dem Lichtbogen zu sehen ist.
Was es eigentlich ist
Das Bad ist das Metall, das in einem Augenblick flüssig ist: die Kanten des Grundwerkstoffs und der Zusatz zusammen. Oberflächenspannung und Lichtbogendruck halten es an Ort und Stelle, seine Größe folgt aus dem Gleichgewicht zwischen eingebrachter und in den Werkstoff abgeleiteter Wärme.
Alles Weitere folgt daraus. Was immer dieses Gleichgewicht verschiebt — Strom, Geschwindigkeit, Dicke, Ausgangstemperatur des Bauteils — verändert das Bad sofort, vor den Augen des Schweißers, und zwar viele Sekunden bevor die Folgen an der fertigen Naht sichtbar werden.
Wie man es liest
| Was zu sehen ist | Was es bedeutet | Was zu ändern ist |
|---|---|---|
| Oval, folgt dem Bogen gleichmäßig | Das Gleichgewicht stimmt | Nichts |
| Rund und wächst unter der Elektrode | Zu viel Wärme an einer Stelle | Schneller werden oder Strom zurücknehmen |
| Schmal, reißt hinter dem Bogen ab | Zu wenig Wärme | Langsamer werden oder Strom erhöhen |
| Wird unterwegs dunkler und zäher | Das Bauteil ist ausgekühlt oder der Strom gefallen | Masse und Leitungen prüfen |
| Beginnt nach unten zu hängen | Mehr Volumen, als die Oberflächenspannung hält | Schmalere Raupe, weniger Strom |
| Schlacke läuft dem Bad voraus | Zu langsam oder zu flacher Elektrodenwinkel | Schneller werden, Winkel aufrichten |
Die letzte Zeile ist die wichtigste. Schlacke, die vor den Bogen gelaufen ist, bleibt unter dem flüssigen Metall und wird zum Einschluss (301) — und man sieht es noch während des Schweißens, solange sich etwas ändern lässt.
Warum die Lage alles verändert
In der Wannenlage hält der Fugengrund das Bad. In der Steig- und Überkopflage hält es allein die Oberflächenspannung, und die trägt nur ein begrenztes Volumen flüssigen Metalls — ein Mehrfaches weniger, als der Strom hergäbe, mit dem sich liegend bequem schweißen lässt.
Daher stammt jede Regel der Zwangslagen, die sonst willkürlich wirkt: Strom um 10–20 % zurück, Elektrode eine Stufe dünner, Pendeln statt gerader Führung. Jede davon tut dasselbe — sie verringert das Volumen des Bades im jeweiligen Augenblick. Einzelheiten in den Schweißpositionen.
Um es zu lesen, muss man es zuerst sehen
Das klingt banal und ist der häufigste Grund, warum ein Schweißer das Bad gar nicht liest: ein dunklerer Filter als nötig verdeckt seine Ränder. Sichtbar bleibt ein heller Bogen und Dunkelheit ringsum, also wird die Elektrode aus dem Gedächtnis geführt und die Raupe wandert aus der Fuge.
Die Stufe wählt man nach dem Strom, nicht nach Gewohnheit — DIN-Schutzstufenrechner. Die andere Hälfte des Problems ist die Vorsatzscheibe: ein Belag aus Spritzern kostet mehr Sicht als eine ganze Schutzstufe und ist in einer Minute gewechselt.
Wie es weitergeht
Strom nach Elektrodendurchmesser — Stromrechner. Was passiert, wenn das Bad die Fugenflanke nie erreicht hat — Bindefehler und ungenügende Durchschweißung. Wie die Fuge vorbereitet wird, damit das Bad Platz zum Arbeiten hat — Schweißnahtvorbereitung.
Häufige Fragen
Wie sieht ein richtiges Schmelzbad aus?
Wie ein ovaler, leicht gestreckter Tropfen, der dem Lichtbogen mit derselben Geschwindigkeit folgt wie die Hand, und dessen hintere Kante zu gleichmäßigen Schuppen erstarrt. Ein rundes, unter der Elektrode wachsendes Bad heißt: Sie verweilen zu lange. Ein schmales, das hinter dem Bogen abreißt: zu schnell oder zu wenig Strom.
Warum läuft das Bad in der Steignaht weg?
Weil die Schwerkraft am flüssigen Metall zieht und die Oberflächenspannung nur eine kleine Menge davon hält. Daher kommt die gesamte Technik der Zwangslagen: Strom um 10–20 % zurück, dünnere Elektrode und eine Bewegung, die dem Bad Zeit zum Erstarren lässt — mehrere schmale Raupen statt einer breiten.
Sieht man das Bad durch einen Automatikschirm genauso?
Ja, sofern die Schutzstufe zum Strom passt. Ein zu dunkler Filter verdeckt die Ränder des Bades, und man schweißt aus dem Gedächtnis — die Raupe wandert aus der Fuge, weil man nicht sieht, wo das flüssige Metall endet. Die Stufe wählt der DIN-Schutzstufenrechner.
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