Bindefehler und Wurzelfehler

Die beiden Fehler, bei denen zwei Metallflächen nebeneinander liegen, ohne verbunden zu sein. In keiner Bewertungsgruppe zulässig — und von außen meist unsichtbar.

Schnitt durch eine Naht mit den sechs Gruppen der Unregelmäßigkeiten nach ISO 6520-1
Bewertungsgruppe B, C oder D ist kein Urteil nach Augenmaß: jede Unregelmäßigkeit im Schnitt hat ihr eigenes zulässiges Maß.
Nahtschnitt mit Bindefehler an der Flanke und mit unverschmolzener Wurzel
Zwei Flächen, die sich berühren und nicht verbunden sind, tragen keine Last — und das sieht man der Oberfläche nicht an.

Woher sie kommen

Zu wenig Wärme. Zu geringer Strom, zu hohe Schweißgeschwindigkeit oder ein zu großer Elektrodendurchmesser für den Spalt: das Bad legt sich auf die kalte Flanke, ohne sie aufzuschmelzen.

Der Lichtbogen zeigt woandershin. Wer dem Bad hinterherläuft, statt den Lichtbogen an die Flanke zu setzen, schmilzt sie nicht auf. Das flüssige Metall vor dem Lichtbogen ist der Klassiker — es isoliert die Flanke gegen die Wärme.

Schlacke und Zunder. Zwischen zwei Lagen nicht entfernte Schlacke verhindert die Verbindung mechanisch.

Falsche Nahtvorbereitung. Ein zu enger Öffnungswinkel lässt die Elektrode nicht an die Flanken. Deshalb sind 60° beim E-Hand die sichere Zahl, siehe Nahtvorbereitung.

Die Wurzel im Besonderen

Bei einseitigem Zugang ist die Wurzel der kritische Punkt. Entweder wird sie voll durchgeschweißt — dann braucht es den passenden Spalt und Steg — oder es wird nach dem Fugenhobeln von der Gegenseite gegengeschweißt. Beides steht in der WPS, und beides ist eine bewusste Entscheidung.

Was hilft

Strom an die Vorbereitung anpassen statt umgekehrt. Den Lichtbogen führen, nicht das Bad. Zwischen den Lagen sauber machen. Und bei Zweifeln lieber ausfugen und neu schweißen: ein Bindefehler wird durch eine weitere Lage darüber nicht besser, sondern nur besser versteckt.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich die beiden?

Der Bindefehler ist die fehlende Verbindung zwischen Schweißgut und Grundwerkstoff oder zwischen zwei Lagen — er kann überall im Querschnitt sitzen. Die ungenügende Durchschweißung ist eine unverschmolzene Stelle an der Wurzel. Beide sind flächig und beide unzulässig.

Warum sieht man sie nicht?

Weil die Oberfläche in Ordnung sein kann, während der Fehler in der Fuge liegt. Genau das macht ihn gefährlich: eine schön aussehende Naht kann innen zur Hälfte nicht verbunden sein.

Welche Prüfung findet sie?

Ultraschall. Die Durchstrahlung tut sich schwer, weil ein flächiger Fehler quer zum Strahl kaum Kontrast erzeugt — er kann bei ungünstiger Lage vollständig unsichtbar bleiben. Bei Verdacht auf Bindefehler wird deshalb mit Ultraschall geprüft.

Autor: Schweißer Aktualisiert: