Die Einbrandkerbe
Eine Rinne am Übergang von der Naht zum Grundwerkstoff, die nicht mit Schweißgut gefüllt wurde. Sie entsteht in Sekunden und kostet die Naht ihre Ermüdungsfestigkeit.


Die drei Ursachen
Zu viel Strom. Der Lichtbogen schmilzt mehr Grundwerkstoff auf, als das Bad füllen kann. Das ist der häufigste Fall und die einfachste Abhilfe.
Zu langer Lichtbogen. Der Lichtbogen wird breit, greift die Flanken an und legt das Metall nicht dorthin, wo es fehlt.
Falscher Winkel oder zu schnelles Pendeln. Wer an den Umkehrpunkten nicht kurz verweilt, gibt dem Bad keine Zeit, die Flanke zu füllen. In Zwangslagen ist das die Hauptursache.
Was zulässig ist
Die Grenzwerte hängen von Bewertungsgruppe und Blechdicke ab: in Gruppe D mehr, in Gruppe B fast nichts, jeweils mit einer absoluten Obergrenze in Millimetern. Die Zahl für deinen Fall gibt der ISO-5817-Rechner.
Vermeiden statt reparieren
Strom um 10 % zurücknehmen und die Naht ansehen. Lichtbogen kürzer halten — beim MAG heißt das eine gleichbleibende freie Drahtlänge. An den Umkehrpunkten der Pendelbewegung kurz stehenbleiben. Und bei der Kehlnaht in Zwangslage: lieber zwei dünne Lagen als eine dicke.
Die Reparatur ist teuer: ausschleifen, neu schweißen, neu prüfen. Und jede Reparatur bringt Wärme ein, die das Gefüge daneben verändert — bei aufhärtenden Stählen ein Grund mehr, es beim ersten Mal richtig zu machen.
Häufige Fragen
Warum ist eine Einbrandkerbe gefährlich?
Weil sie eine Kerbe ist. Unter ruhender Last trägt die Naht auch mit ihr, unter wechselnder Last beginnt der Ermüdungsriss genau dort. Deshalb sind die Grenzwerte bei dynamisch belasteten Bauteilen enger.
Kann ich sie einfach überschweißen?
Nur nach Vorgabe. Eine dünne Ausbesserungsraupe bringt Wärme ein und kann bei aufhärtenden Stählen mehr schaden als die Kerbe. In Verfahren nach EN 1090 ist die Reparatur geregelt — meist ausschleifen und neu schweißen, nicht einfach darüber.
Wie messe ich die Tiefe?
Mit einer Schweißnahtlehre mit Messnadel oder einem Nachbildungsstreifen. Nach Augenmaß wird die Tiefe regelmäßig überschätzt: was tief aussieht, sind oft zwei Zehntel.
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