Poren in der Schweißnaht
Poren sind Gas, das beim Erstarren nicht mehr aus dem Bad herauskam. Die Frage ist immer dieselbe: woher kam das Gas — von außen, aus dem Werkstoff oder aus dem Zusatzwerkstoff?

Gas von außen
Der häufigste Fall. Zu wenig Durchfluss, ein offenes Tor, eine verstopfte Gasdüse, ein poröser Schlauch oder eine lose Verschraubung — überall dort zieht Luft in den Schutzstrom. Das Muster dazu sind gleichmäßig über die ganze Naht verteilte Poren. Prüfe in dieser Reihenfolge: Durchflussmenge, Zugluft, Düse und Spritzer darin, Schlauch und Anschlüsse.
Gas aus dem Werkstoff
Rost, Zunder, Farbe, Öl, Feuchtigkeit, Zink. Alles davon zerfällt im Lichtbogen zu Gas. Das Muster sind Nester an bestimmten Stellen — genau dort, wo die Verunreinigung saß. Abhilfe ist mechanisch: blank machen, mindestens 20 mm beiderseits der Fuge, und bei Feuchtigkeit vorwärmen, bis das Blech handwarm ist.
Gas aus dem Zusatzwerkstoff
Feuchte basische Elektroden sind der Standardfall. Sie ziehen Wasser aus der Luft, das im Lichtbogen zu Wasserstoff wird — und der macht nicht nur Poren, sondern einen Tag später auch Kaltrisse. Zwei Stunden bei 300 bis 350 °C, danach der Köcher. Siehe Umhüllungstypen.
Der Sonderfall Wurzel
An Rohren aus Edelstahl und Titan entstehen Poren und Oxidation auf der Innenseite der Wurzel, wenn dort nicht gespült wird. Von außen sieht die Naht tadellos aus. Deshalb gehört bei diesen Werkstoffen die Wurzelspülung in die WPS und nicht in das Ermessen des Schweißers.
Wie viel ist erlaubt
Poren sind die Unregelmäßigkeit mit dem großzügigsten Grenzwert — die Norm nennt einen Flächenanteil und eine Höchstgröße für die Einzelpore, beides je nach Bewertungsgruppe. Die Zahlen liefert der ISO-5817-Rechner. Das ändert nichts daran, dass Poren ein Signal sind: eine Naht, die porig wird, hat ein Problem, das beim nächsten Mal einen ernsteren Fehler erzeugen kann.
Häufige Fragen
Poren am Anfang der Naht — woher?
Aus der fehlenden Vorströmzeit. Beim Zünden steht noch Luft in der Gasdüse und im ersten Zentimeter der Naht. Vorströmzeit verlängern, oder außerhalb der Naht zünden und in die Fuge hineinziehen.
Mehr Gas gegen Poren?
Nur bis zu einem Punkt. Zu viel Durchfluss verwirbelt die Strömung und zieht Luft mit ein — dann verursacht ausgerechnet die höchste Einstellung Poren. Bei Zug hilft eine Abschirmung, nicht mehr Gas.
Warum zieht verzinktes Blech Poren?
Weil Zink bei 907 °C verdampft, lange bevor Stahl schmilzt. Der Dampf muss durch das Bad. Abhilfe: Zink im Nahtbereich abschleifen, langsamer schweißen, größeren Spalt lassen — und absaugen, denn Zinkdampf ist gesundheitlich kein Nebenthema.
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