Die Elektrodenumhüllung
Die Umhüllung entscheidet mehr über die Naht als das Gerät. Vier Typen, vier verschiedene Verfahren im selben Elektrodenhalter.

Was die Umhüllung tut
Vier Dinge gleichzeitig. Sie zerfällt zu Gas und hält die Luft vom Bad fern. Sie bildet Schlacke, die das erstarrende Metall abdeckt und langsamer abkühlen lässt. Sie stabilisiert den Lichtbogen elektrisch — deshalb laufen manche Typen an Wechselstrom und andere nicht. Und sie gibt Legierungselemente ab, die im Kerndraht gar nicht enthalten sind.
Rutil (R, RC, RR)
Titandioxid als Hauptbestandteil. Leichtes Zünden und Wiederzünden, ruhiger Lichtbogen, feine Tropfen, gut ablösende Schlacke und eine glatte Naht. Der Wasserstoffgehalt liegt bei 15 bis 30 ml/100 g, die Kerbschlagarbeit im mittleren Bereich. Für alles ohne besondere Anforderungen die richtige Wahl.
Basisch (B)
Calciumcarbonat und Flussspat. Wasserstoff unter 5 ml/100 g nach dem Rücktrocknen, Kerbschlagarbeit bis −40 °C und darunter, gute Entschwefelung des Schweißguts. Dafür ein kurzer, ungeduldiger Lichtbogen, eine zähere Schlacke und die Anfälligkeit für Feuchte, die das Rücktrocknen erzwingt. Das ist die Elektrode für tragende Verbindungen, große Dicken und Kälte.

Zellulose (C)
Organische Bestandteile, die im Lichtbogen zu Wasserstoff und Kohlenmonoxid zerfallen. Der Lichtbogen wird scharf und grabend, was für die fallend geschweißte Wurzel an Rohrleitungen genau richtig ist. Nicht rücktrocknen: die Feuchte gehört hier zur Funktion.
Sauer (A) und Mischungen
Eisenoxidbasis, hohe Abschmelzleistung, flüssiges Bad — heute selten und meist als RB-Mischung anzutreffen, die Zündfreudigkeit der rutilen mit einem Teil der Eigenschaften der basischen verbindet. Welche Marke was kann, steht im Elektrodenkatalog.
Häufige Fragen
Womit fängt ein Anfänger an?
Rutil. Sie zündet beim ersten Versuch, verzeiht einen langen Lichtbogen, läuft an Wechsel- und Gleichstrom und die Schlacke springt fast von allein ab. Basisch am Anfang lehrt schlechte Gewohnheiten, weil der Kampf um den brennenden Lichtbogen alles andere überdeckt.
Warum ist basisch besser, wenn es schwieriger ist?
Wegen des Wasserstoffs und der Zähigkeit. Eine basische Umhüllung bringt unter 5 ml/100 g mit statt 15 bis 30, und ihr Schweißgut hält die Kerbschlagarbeit bis −40 °C. Beides zählt genau dort, wo es auf die Verbindung ankommt.
Wozu zellulose Elektroden?
Für die fallend geschweißte Wurzellage an Rohrleitungen. Ihre Umhüllung erzeugt einen scharfen, tief einbrennenden Lichtbogen, der den Spalt sicher durchschweißt. Dafür sind sie spritzerfreudig und wasserstoffreich — nichts für tragende Bauteile aus dickem Stahl.
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