Das E-Hand-Schweißen

Das älteste noch gebräuchliche Lichtbogenverfahren und das genügsamste: eine Stromquelle, zwei Leitungen, eine Elektrode. Genau diese Genügsamkeit macht es dort unschlagbar, wo Gas keine Chance hat.

Was im Lichtbogen passiert

Der Lichtbogen brennt zwischen dem Kerndraht und dem Werkstück und schmilzt beide. Der Kerndraht wird zum Zusatzwerkstoff, die Umhüllung übernimmt den Rest: sie zerfällt zu Gas und schirmt das Bad gegen Luft ab, bildet Schlacke, die das erstarrende Metall abdeckt, stabilisiert den Lichtbogen elektrisch und gibt Legierungselemente ab.

Deshalb ist die Umhüllung keine Verpackung. Wer sie wechselt, wechselt das Verfahren — Einbrand, Wasserstoffgehalt, mögliche Positionen und Zündverhalten ändern sich alle mit.

Die Lichtbogenlänge beim E-Hand-Schweißen: das Maß h an der geneigten Elektrode und zwei Nahtschnitte — schmal, und flach mit Spritzern
Für die Lichtbogenlänge gibt es keinen Regler: sie liegt in der Hand. Die Regel ist kurz — der Lichtbogen so lang wie der Kerndraht dick ist.

Polarität

Beim E-Hand-Schweißen entscheidet die Polarität, wohin zwei Drittel der Wärme gehen. Am Pluspol (DC+) liegt sie beim Werkstück, der Einbrand wird tief, und das ist die übliche Wahl für basische Elektroden. DC− bringt weniger Einbrand und wird für dünnes Blech und für einige rutile Typen verwendet. Wechselstrom ist der Kompromiss und hilft gegen Blaswirkung.

Der Strom

Ausgangspunkt sind 30 bis 40 A je Millimeter Kerndrahtdurchmesser, nach unten korrigiert für Zwangslagen und dünnes Material. Die Feineinstellung verrät die Naht: zu wenig Strom gibt eine hohe, schmale Raupe mit Bindefehlern an den Flanken, zu viel eine breite mit Einbrandkerbe und starken Spritzern. Die Zahlen liefert der Stromrechner.

Wo E-Hand gewinnt

Draußen, weil kein Wind den Schutz wegnehmen kann — er steckt in der Umhüllung. Auf rostigem, angestrichenem oder öligem Stahl, weil die Umhüllung Verunreinigungen erträgt, an denen MAG Poren zieht. An schlecht zugänglichen Stellen, weil ein Elektrodenhalter dünner ist als jeder Brenner. Und überall dort, wo die Rüstzeit die Schweißzeit übersteigt: eine Elektrode ist in Sekunden gewechselt, ein Gasgerät nicht aufgebaut.

Wo es verliert

Bei langen, zusammenhängenden Nähten in der Werkstatt. Die Abschmelzleistung liegt bei einem Bruchteil dessen, was MIG/MAG schafft, dazu kommen Elektrodenwechsel und Schlacke entfernen. Bei dünnem Blech unter 1,5 mm ebenfalls: der Mindeststrom brennt durch, bevor eine Naht entsteht.

Die typischen Fehler

Zu langer Lichtbogen — das ist der Klassiker und die Ursache für Spritzer, Poren und flache Nähte. Feuchte basische Elektroden, die einen Tag später Kaltrisse liefern; dagegen hilft nur das Rücktrocknen, siehe Umhüllungstypen. Und Schlacke, die zwischen den Lagen liegen bleibt: sie wird nicht eingeschmolzen, sie bleibt als Einschluss drin.

Häufige Fragen

Welche Polarität für welche Elektrode?

Basische und die meisten rutilen Elektroden laufen am Pluspol (DC+), zellulose ebenfalls. Manche rutile sind ausdrücklich für Wechselstrom und für DC− gedacht. Was gilt, steht auf der Packung — und wenn der Lichtbogen unruhig ist und die Naht flach bleibt, ist die Polarität der erste Verdacht.

Warum klebt die Elektrode am Anfang?

Weil der Lichtbogen beim Zünden noch keinen ionisierten Kanal hat. Anstreichen wie ein Streichholz, dann sofort auf Lichtbogenlänge zurückgehen. Bleibt sie kleben: 10 A mehr, und wenn das nicht reicht, die Masseverbindung ansehen.

Wie lang darf der Lichtbogen sein?

So lang wie der Kerndraht dick ist — bei einer 3,2er also gut 3 mm. Basische wollen kürzer, weil sie sonst Poren ziehen. Ein zu langer Lichtbogen ist an der breiten, flachen Raupe und an den Spritzern zu erkennen.

Autor: Schweißer Aktualisiert: