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Fülldrahtschweißen 136 und 138

Fülldraht ist dasselbe Gerät und derselbe Vorschub mit einem anderen Draht darin — und rund die doppelte Abschmelzleistung bei gleicher Einstellung. Der Preis ist ebenso konkret: mehr Rauch und ein teurerer Meter Draht.

Kurze Antwort

Hinter „Fülldraht“ stecken vier verschiedene Verfahren nach ISO 4063, und sie zu verwechseln kostet später in den Unterlagen:

Nr.DrahtGas SchlackeWo
135MassivdrahtAktivgaskeine Der Bezugspunkt, an dem alles gemessen wird
136Fülldraht, FlussmittelkernAktivgasja Größere Dicken, Zwangslagen
138Fülldraht, MetallpulverkernAktivgasSpuren Lange Nähte, wo eine saubere Decklage zählt
114Selbstschützender Fülldrahtkeinsja Baustelle und Wind, wo Schutzgas nicht steht

Die vollständige Tabelle der Ordnungsnummern — ISO 4063.

Woher die Leistung kommt

Fülldraht ist ein Röhrchen mit Pulver darin. Der Strom fließt nur durch dieses Röhrchen und nicht durch den ganzen Querschnitt, die Stromdichte im Metall ist also höher als bei Massivdraht gleichen Durchmessers. Das Ende erwärmt sich schneller, schmilzt schneller, und die Leistung steigt ohne Eingriff am Gerät.

Der zweite Gewinn liegt in der Nahtform. Schlacke aus dem Flussmittelkern stützt das Schmelzbad von unten und von den Seiten, deshalb lässt sich 136 in Zwangslagen mit Strömen schweißen, bei denen Massivdraht schlicht herauslaufen würde. Das ist der häufigste Grund, warum Montagebetriebe auf Fülldraht wechseln.

Gas und Einstellung

136 und 138 arbeiten unter Aktivgas, meist Argon mit Kohlendioxid. Reines CO₂ geht auch, bringt aber mehr Spritzer und einen härteren Nahtübergang. Wahl von Gemisch und Menge — Rechner zur Gasauswahl.

Das freie Drahtende ist länger als bei Massivdraht — üblich sind 15–25 mm statt 10–15. Das folgt aus demselben Röhrchen: ein längerer Auszug wärmt den Draht widerstandsbedingt vor, und das ist hier erwünscht. Zu kurz gewählt, ergibt sich ein unruhiger Lichtbogen und verbrannte Stromdüsen.

Die Polung hängt vom Draht ab, nicht vom Verfahren. Die meisten Drähte für 136 und 138 laufen am Pluspol, ein guter Teil der selbstschützenden 114-Drähte jedoch umgekehrt. Der Hersteller gibt es auf der Spule an, und ein Irrtum endet in einem Lichtbogen, der sich „nicht einstellen lässt“.

Wofür bezahlt wird

Rauch. Das ist der eigentliche versteckte Preis. Fülldraht erzeugt ein Vielfaches dessen, was Massivdraht erzeugt — und bei Edelstahl stabilisiert das Flussmittel zusätzlich sechswertiges Chrom. Absaugung an der Quelle ist dann keine Empfehlung mehr, sondern Bedingung; Einzelheiten im Atemschutz.

Der Draht selbst. Ein Kilogramm Fülldraht kostet deutlich mehr als Massivdraht. Die Rechnung geht erst auf, wenn die gesparte Zeit den Materialunterschied übersteigt — also bei größeren Dicken und langen Nähten, nicht bei Kleinteilen.

Schlacke abschlagen ist bei 136 ein zusätzlicher Arbeitsgang und eine zusätzliche Fehlerstelle: zwischen den Lagen liegen gebliebene Schlacke wird zum Einschluss (301).

Wann es sich nicht lohnt

An Blech bis 3 mm — die Leistung, für die man zahlt, wird dort nicht gebraucht, und der Durchbrand kommt leichter. Bei kurzen, zahlreichen Nähten — die Zeit geht ins Rüsten, nicht ins Schmelzen. Und überall dort, wo es keine Absaugung gibt: Fülldraht in einer unbelüfteten Halle ist die schlechteste Wahl in diesem ganzen Abschnitt.

Wie es weitergeht

Der Bezugspunkt, an dem es gemessen wird — MIG/MAG. Wie viel Schweißgut eine Verbindung schluckt — Schweißgut und Lagenzahl. Ordnungsnummern in den Unterlagen — die ISO-4063-Tabelle.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich 136 und 138?

Im Kern des Drahtes. Bei 136 ist es Flussmittel: es hinterlässt Schlacke, die schützt und die Raupe formt, aber abgeschlagen werden muss. Bei 138 ist der Kern Metallpulver: Schlacke gibt es kaum, die Oberfläche wird sauberer, dafür formt die Naht schlechter und die Ansprüche an das Gas steigen. Beide laufen unter Aktivgas.

Ist selbstschützender Fülldraht 114 schlechter?

Nicht schlechter, nur für anderes. 114 braucht keine Flasche und gewinnt daher im Freien und im Wind, wo ein Gasschutz ohnehin wegwehen würde. Bezahlt wird mit mehr Rauch und meist geringerer Kerbschlagarbeit. In der windstillen Halle liefert 136 mit Gas das bessere Ergebnis.

Warum schmilzt Fülldraht schneller als Massivdraht?

Weil der Strom nur durch das dünne Röhrchen fließt und nicht durch den ganzen Querschnitt. Die Stromdichte darin ist höher als in Massivdraht gleichen Durchmessers, das Ende erwärmt sich schneller und die Abschmelzleistung steigt — bei unveränderter Geräteeinstellung.

Autor: SpawBaza Aktualisiert: