Schweißrauch und Absaugung

Die Gefährdung mit der längsten Verzögerung zwischen Ursache und Wirkung — und deshalb die, die am zuverlässigsten unterschätzt wird.

Zwei Haltungen des Schweißers: der Kopf mittig in der aufsteigenden Rauchfahne und der Kopf seitlich daneben bei laufender Absaugung
Der Rauch steigt senkrecht auf, und der Kopf hängt genau über der Verbindung. Absaugung ist keine Vorsichtsmaßnahme — sie holt die Fahne aus dem Atembereich.

Was im Rauch ist

Feinste Metalloxidpartikel, die tief in die Lunge gelangen, dazu Gase aus dem Lichtbogen: Ozon, Stickoxide und, wo Entfetter im Spiel waren, Phosgen. Die Zusammensetzung hängt am Werkstoff und am Zusatzwerkstoff, nicht am Verfahren allein.

Der gefährlichste Einzelstoff ist Chrom(VI) beim Edelstahl. Beim Baustahl steht Mangan im Vordergrund, das das Nervensystem angreift. Verzinktes Material gibt Zinkoxid ab — die Ursache des Metallrauchfiebers mit seinen grippeartigen Symptomen am Abend nach der Arbeit.

Erfassung am Entstehungsort

Die einzige Maßnahme, die zuverlässig wirkt. Die Haube gehört 20 bis 30 cm an die Naht, und sie muss mitgeführt werden — eine Absaughaube, die zwei Meter entfernt an der Wand hängt, erfasst nichts. Absaugbrenner sind der Kompromiss beim MAG und funktionieren, solange die Gasabdeckung nicht mit abgesaugt wird.

Raumlüftung und Atemschutz

Die Raumlüftung ist die zweite Stufe, nicht die erste: sie senkt die Hintergrundbelastung, aber nicht die Konzentration in der Atemzone. Wo nicht erfasst werden kann — enge Räume, Montage, Über-Kopf-Arbeit — kommt Atemschutz dazu: mindestens P3, besser ein gebläseunterstützter Helm, der zugleich das Beschlagen verhindert.

Was ohne Geld hilft

Den Kopf seitlich aus der Fahne halten statt mittig darüber. Verzinktes und lackiertes Material im Nahtbereich blank machen. Bei Edelstahl weniger CO₂-haltiges Gas fahren. Und die Tatsache ernst nehmen, dass das Metallrauchfieber am Abend eine Warnung ist und keine Erkältung.

Häufige Fragen

Ist Schweißrauch wirklich krebserzeugend?

Ja. Die IARC hat 2017 sämtlichen Schweißrauch als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft — nicht nur den vom Edelstahl. Das ist die höchste Kategorie und dieselbe wie bei Asbest und Tabakrauch.

Reicht ein offenes Tor?

Nein. Der Rauch steigt senkrecht auf, und der Kopf hängt genau darüber — die Atemzone liegt in der Fahne, egal wie gut der Raum insgesamt durchlüftet ist. Was wirkt, ist die Erfassung am Lichtbogen.

Was ist am gefährlichsten?

Chrom(VI) beim Edelstahl, Mangan beim Baustahl, Zinkoxid beim verzinkten Material und Nickel. Chrom(VI) ist der Grund, warum bei Edelstahl der Grenzwert deutlich niedriger liegt als bei unlegiertem Stahl.

Autor: Schweißer Aktualisiert: