Edelstahl schweißen
Austenitischer Edelstahl ist nicht schwer zu schweißen, aber er bestraft genau die Gewohnheiten, die bei Baustahl funktionieren: viel Wärme, lange Nähte am Stück und ein Winkelschleifer, der vorher an Stahl war.
Das Hauptproblem ist die Wärme
Edelstahl leitet die Wärme etwa dreimal schlechter ab als unlegierter Stahl und dehnt sich stärker aus. Die Wärme bleibt also, wo sie eingebracht wurde, und das Bauteil zieht sich. Daraus folgt fast die ganze Praxis: kleinere Streckenenergie, kurze Raupen, dazwischen abkühlen lassen, Zwischenlagentemperatur unter etwa 150 °C halten.

Sensibilisierung
Zwischen 450 und 850 °C scheidet sich Chromkarbid an den Korngrenzen aus, und der Saum daneben verarmt an Chrom. Genau dort rostet der Werkstoff später — interkristalline Korrosion, unsichtbar an der frisch geschweißten Naht.
Drei Wege dagegen: einen Werkstoff mit niedrigem Kohlenstoff nehmen (die Endung L, also 304L, 316L), einen stabilisierten mit Titan oder Niob, oder die Zeit im kritischen Bereich kurz halten. In der Praxis kombiniert man das erste mit dem dritten.
Zusatzwerkstoff und Gas
Die Regel ist eine Stufe höher legiert: 308L für 304, 316L für 316, 309L für die Verbindung zu unlegiertem Stahl. Beim WIG reines Argon, bei Bedarf mit 2 bis 5 % Wasserstoff für mehr Wärme und eine sauberere Oberfläche. Beim MAG ein Gemisch mit höchstens 2 bis 3 % Aktivanteil — mehr CO₂ bringt Kohlenstoff in die Naht und nimmt genau die Eigenschaft weg, für die der Werkstoff gekauft wurde.
Wurzelschutz
Beim Rohr braucht die Rückseite der Wurzel eigenes Gas. Ohne Spülung wird sie grau, zunderig und spröde, und von außen sieht man davon nichts. Die Spülung gehört in die WPS und nicht ins Ermessen.
Sauberkeit und Werkzeug
Eigene Bürsten aus Edelstahl, eigene Trennscheiben, eigene Ablagen. Eisen von einem Werkzeug, das vorher an Baustahl war, setzt sich in die Oberfläche und rostet dort — Fremdrost sieht aus wie ein Werkstofffehler und ist keiner.
Häufige Fragen
Warum 308L auf 304 und nicht 304 auf 304?
Weil 308L ein paar Prozent Deltaferrit im Schweißgut hinterlässt, und dieser Ferrit verhindert Erstarrungsrisse. Eine exakt artgleiche, vollaustenitische Naht würde eher reißen, nicht seltener.
Was sind die Anlauffarben und stören sie?
Oxidschichten, deren Farbe von der Dicke abhängt. Strohgelb ist harmlos, dunkelblau und grau bedeuten, dass die Passivschicht zerstört ist — dort rostet der Edelstahl. Bei Korrosionsanforderungen wird gebeizt und passiviert, nicht nur gebürstet.
Warum verzieht sich Edelstahl so stark?
Weil er sich rund 50 % stärker ausdehnt als unlegierter Stahl und die Wärme schlechter ableitet. Beides zusammen heißt: mehr Verzug bei weniger Wärme. Die Antwort ist Streckenenergie begrenzen, oft heften und die Schweißfolge planen.
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