Aluminium schweißen
Aluminium verhält sich in fast jedem Punkt anders als Stahl: die Oxidhaut, die Wärmeleitung, die fehlende Anlassfarbe und ein Draht, der sich nicht schieben lassen will.

Die Oxidhaut
Sie bildet sich in Sekunden neu, sobald blankes Aluminium an der Luft liegt. Deshalb wird unmittelbar vor dem Schweißen gebürstet — mit einer Edelstahlbürste, die nur für Aluminium benutzt wird — und deshalb ist die Zeit zwischen Vorbereiten und Schweißen ein Qualitätsmerkmal.
WIG mit Wechselstrom
Die Halbwelle mit der Elektrode am Pluspol räumt die Haut ab, die negative bringt die Wärme ins Werkstück. Die Balance verteilt den Zyklus zwischen beidem: mehr negative Zeit heißt mehr Einbrand und weniger Reinigung. Die Frequenz schnürt den Lichtbogen ein — höhere Frequenz gibt einen schmaleren, besser kontrollierbaren Kegel.
MIG und Impuls
Für dickeres Material und für Leistung ist MIG die Wahl, mit reinem Argon und bei größerer Dicke Argon-Helium für mehr Wärme. Der Impulslichtbogen löst das Grundproblem des Aluminium-MIG: er setzt bei niedriger mittlerer Wärme kontrollierte Tropfen ab, statt zwischen Kurzschluss und Sprühlichtbogen zu schwanken.
Wärme und Vorwärmen
Aluminium leitet die Wärme rund viermal besser als Stahl. An dickem Material zieht das Bauteil die Wärme so schnell weg, dass der Einbrand ausbleibt — daher Vorwärmen auf 100 bis 150 °C, aber nicht darüber: über etwa 200 °C verliert der Werkstoff Festigkeit, und bei ausscheidungsgehärteten Legierungen zerstört Wärme genau die Behandlung, die sie fest gemacht hat.
Zusatzwerkstoff
5356 (AlMg5) für die meisten Konstruktionslegierungen der Reihen 5xxx und 6xxx, 4043 (AlSi5) für Guss und dort, wo weniger Rissneigung wichtiger ist als Festigkeit. Die beiden lassen sich nicht beliebig tauschen: 4043 auf Magnesium haltigen Legierungen bildet spröde Phasen.
Häufige Fragen
Warum muss die Oxidhaut weg?
Weil sie bei rund 2050 °C schmilzt und das Metall darunter bei 660. Die Haut bleibt also fest, während das Metall längst flüssig ist, und verhindert die Verbindung. Beim WIG entfernt sie die positive Halbwelle des Wechselstroms, beim MIG der Lichtbogen selbst — vorher wird mechanisch gebürstet.
Warum knickt der Draht im Vorschub?
Weil Aluminiumdraht weich ist. Er braucht U-Nut-Rollen statt V-Nut, eine PTFE- oder Graphit-Führung statt Stahlspirale, weniger Rollendruck und einen möglichst kurzen, gerade geführten Brenner. Für mehr als gelegentliche Arbeit ist ein Spoolgun oder Push-Pull die eigentliche Antwort.
Woran erkenne ich, dass das Bad kommt?
Aluminium wechselt die Farbe nicht — es sieht bis zum Schmelzen gleich aus und fällt dann plötzlich durch. Man lernt, auf den Glanz zu achten, der kurz vor dem Schmelzen entsteht. Für den Anfang hilft es, mit einer Kupferbadsicherung zu üben.
Aktualisiert: