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Die Wolframelektrode auswählen

Aus Strom, Stromart und Werkstoff folgen Durchmesser, Typ, Anschliffwinkel, Gasdüse und Gasmenge. Vier Angaben am Anfang, fünf Zahlen für die Einstellung am Ende.

Anschliff der Wolframelektrode: Kegellänge, Spitzenwinkel und Schleifriefen längs im Vergleich zu quer
Die Farbe verrät die Zusammensetzung, aber der Anschliff führt den Lichtbogen: Kegellänge aus dem Durchmesser, Winkel aus dem Strom, Riefen nur längs.

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Die Typen und ihre Farben

Lanthaniert (blau, WL20) ist der Allrounder für Gleich- und Wechselstrom und die richtige Wahl, wenn nur eine Sorte im Regal liegen soll. Ceriert (grau, WC20) zündet bei kleinen Strömen besonders sicher und liegt deshalb an dünnem Edelstahl vorn. Rein (grün, WP) ist die klassische Wahl für Wechselstrom an Aluminium wegen der Kugelbildung. Die vollständige Zuordnung von Farbe, Oxidgehalt und Strombereich steht in den Farbcodes der Wolframelektroden.

KurzzeichenFarbe der SpitzeOxidStromartEinsatz
WPgrünW ≥ 99,95 %ACAluminium, Magnesium und ihre Legierungen
WT-20rot2 % ThO₂DCStahl, Edelstahl, Titan, Kupfer
WT-10gelb1 % ThO₂DCStahl, kleine und mittlere Ströme
WT-30violett3 % ThO₂DCStahl, hohe Ströme
WC-20grau2 % CeO₂AC / DCUniversell, sehr gut bei kleinem Strom
WL-15gold1,5 % La₂O₃AC / DCUniversell
WL-20blau2 % La₂O₃AC / DCUniversell, die häufigste Wahl
WZ-8weiß0,8 % ZrO₂ACAluminium, wo Einschlüsse nicht zulässig sind
WY-20dunkelblau2 % Y₂O₃DCKritische Verbindungen, Titan, tiefer Einbrand

Die Farbe ist eine Norm, keine Marke: der Code stammt aus ISO 6848 (EN 26848), eine rote Spitze bedeutet also bei jedem Hersteller 2 % Thoriumoxid.

Der Anschliff führt den Lichtbogen

Ein spitzer Kegel — Länge etwa zwei- bis dreimal der Durchmesser — bündelt den Lichtbogen und gibt einen schmalen, tiefen Einbrand; ein stumpferer verbreitert ihn und hält bei hohem Strom länger. Geschliffen wird immer längs: die Riefen führen den Strom, und quer verlaufende Riefen lassen den Lichtbogen wandern. Dafür eine eigene Scheibe nehmen, sonst holt sich das Wolfram Eisen aus dem Stein.

Düse und Gasmenge

Beide folgen dem Elektrodendurchmesser und dem Werkstoff. Argon 6 bis 12 l/min reicht für Stahl und Edelstahl; Aluminium und Titan brauchen mehr, Titan zusätzlich eine Schleppdüse und die Wurzelspülung. Die Nachströmzeit als Faustregel: eine Sekunde je 10 A. Mehr dazu unter WIG-Schweißen.

Wie der Rechner den Durchmesser wählt

Der Rechner nimmt die dünnste Elektrode, in deren Bereich der eingegebene Strom fällt, nach derselben Tabelle wie auf der Seite Farbcodes der Wolframelektroden. Bei DC− heißt das 1,0 mm bis 80 A, 1,6 mm bis 150 A, 2,4 mm bis 250 A, 3,2 mm bis 400 A, 4,0 mm bis 500 A und 4,8 mm darüber. Bei Wechselstrom (symmetrische Welle) wird die Elektrode heißer, die Grenzen liegen tiefer: 1,0 mm bis 60 A, 1,6 mm bis 120 A, 2,4 mm bis 180 A, 3,2 mm bis 250 A, 4,0 mm bis 320 A. Das sind die üblichen Bereiche für oxidlegierte Elektroden (WL, WC, WT) unter Argon, so wie sie die Tabellen von U.S. Alloy (Washington Alloy) und CK Worldwide angeben. Nahe der Obergrenze brennt die Spitze schneller zurück, und manche Hersteller nennen engere Arbeitsbereiche (ESAB: 2,4 mm bis 150 A) — wer lange nahe an der Grenze schweißt, nimmt den nächsten Durchmesser.

Der Anschliffwinkel folgt dem Strom: unter 80 A 20–30°, von 80 bis 200 A 30–60°, darüber 60–90°; bei AC eine Kalotte. Typ: bei DC WL-15 oder WC-20, bei AC für Aluminium WZ-8, bei AC für andere Werkstoffe WL-15. Thorierte schlägt der Rechner nie vor.

Drei Beispiele

  1. Edelstahl 1 mm, DC, 40 A. Elektrode 1,0 mm, Anschliff 20–30°, Düse Nr. 4, Argon 5 l/min. Eine dickere Elektrode würde bei diesem Strom schlecht zünden, und der Lichtbogen würde über die Stirn wandern.
  2. Stahl 3 mm, DC, 110 A. 1,6 mm, Kegel 30–60°, Düse Nr. 5, 6 l/min, WL-15 oder WC-20. 110 A liegt mitten im Bereich 70–150 A; bei langen Nähten mit 140–150 A arbeitet eine 2,4 mm ruhiger.
  3. Aluminium 3 mm, AC, 130 A. Bei AC trägt 2,4 mm 100–180 A, der Rechner gibt also 2,4 mm, Kalotte statt Spitze, Düse Nr. 6 und 8 l/min, Typ WZ-8. Derselbe Strom bei DC passte in 1,6 mm — daher die Regel, dass Aluminium ein dickeres Wolfram braucht als Stahl.

Was die Düsennummer bedeutet

Die Nummer einer keramischen WIG-Gasdüse ist ihr Innendurchmesser in Sechzehntel Zoll: Nr. 4 ≈ 6,4 mm, Nr. 5 ≈ 8 mm, Nr. 6 ≈ 9,5 mm, Nr. 8 ≈ 12,7 mm, Nr. 10 ≈ 16 mm. Der Durchfluss in l/min liegt zahlenmäßig nahe an der Düsennummer — daher das Paar „Düse Nr. 6, 8 l/min“ im Ergebnis. Eine zu kleine Düse bei hohem Strom gibt einen schmalen Schutz und wird heiß, eine zu große kommt nicht in eine enge Ecke. In Kehlnähten und bei weiter herausstehendem Wolfram hilft eine Gaslinse: Sie beruhigt den Strahl und schützt weiter vor der Düse.

Woran man erkennt, dass die Elektrode passt

  • DC: Nach der Naht ist die Spitze blank und der Kegel hat die Form wie nach dem Schleifen. Ein angeschmolzener Tropfen an der Spitze heißt: Elektrode zu dünn oder Strom zu hoch.
  • AC: Die Kalotte ist nicht größer als der Elektrodendurchmesser und wächst nicht mit jeder Naht.
  • Farbe: Blaues oder schwarzes Wolfram ist ein Gasproblem, kein Durchmesserproblem — Durchfluss, Nachströmung, Zugluft.
  • Lichtbogen: Er steht in der Achse und wandert nicht seitlich. Ein wandernder Bogen bei wenig Strom kommt oft von einer zu dicken Elektrode oder von Querriefen vom Schleifen.

Den Strom nach Blechdicke nennt die Tabelle auf der Seite WIG-Schweißen, wie viel Argon ein Auftrag braucht, rechnet der Schutzgasverbrauch-Rechner.

Häufige Fragen

Warum sind thorierte Elektroden nicht dabei?

Weil ihr Schleifstaub schwach radioaktiv ist und beim Anschleifen eingeatmet wird. Lanthanierte (blau, gold) und cerierte (grau) erreichen dieselben Ströme und dieselbe Standzeit. Es gibt keinen technischen Grund mehr, rote Elektroden zu kaufen.

Spitz oder Kugel?

Spitz für Gleichstrom, Kugel für Wechselstrom an Aluminium — dort bildet sie sich von selbst, wenn man den Lichtbogen kurz auf einem Kupferstück zündet. Reines Wolfram (grün) macht die schönste Kugel, lanthaniert verträgt Wechselstrom auch mit leicht abgerundeter Spitze.

Wie weit darf das Wolfram herausstehen?

Etwa den Durchmesser der Gasdüse geteilt durch drei, in der Kehlnaht auch mehr. Je weiter es heraussteht, desto schlechter deckt das Gas — ein grauer, matter Ansatz an der Naht ist das erste Zeichen dafür.

Welche Wolframelektrode für Aluminium bei 130 A?

Bei AC trägt jeder Durchmesser weniger Strom als bei DC−: 2,4 mm 100–180 A. Bei 130 A kommen also 2,4 mm mit Kalotte heraus, Typ WZ-8 (weiß) oder WP (grün), Düse Nr. 6 und etwa 8 l/min Argon.

Was bedeutet die Nummer der WIG-Gasdüse?

Den Innendurchmesser in Sechzehntel Zoll: Nr. 6 sind 6/16″ ≈ 9,5 mm, Nr. 8 12,7 mm. Der Argondurchfluss in l/min entspricht ungefähr der Düsennummer.

Autor: , Schweißer und Metallbauer Aktualisiert: