Bereiche

Seitenübersicht →

DE

Farbcodes der Wolframelektroden

Die Antwort auf die Frage, die sich jeder WIG-Schweißer vor einer unbeschrifteten Röhre stellt — mit Bezeichnung nach EN ISO 6848, Stromart und typischem Einsatz.

Anschliff der Wolframelektrode: Kegellänge, Spitzenwinkel und Schleifriefen längs im Vergleich zu quer
Die Farbe verrät die Zusammensetzung, aber der Anschliff führt den Lichtbogen: Kegellänge aus dem Durchmesser, Winkel aus dem Strom, Riefen nur längs.

Schema herunterladen: SVG · PNG

KurzzeichenFarbe der SpitzeOxidStromartEinsatz
WPgrünW ≥ 99,95 %ACAluminium, Magnesium und ihre Legierungen
WT-20rot2 % ThO₂DCStahl, Edelstahl, Titan, Kupfer
WT-10gelb1 % ThO₂DCStahl, kleine und mittlere Ströme
WT-30violett3 % ThO₂DCStahl, hohe Ströme
WC-20grau2 % CeO₂AC / DCUniversell, sehr gut bei kleinem Strom
WL-15gold1,5 % La₂O₃AC / DCUniversell
WL-20blau2 % La₂O₃AC / DCUniversell, die häufigste Wahl
WZ-8weiß0,8 % ZrO₂ACAluminium, wo Einschlüsse nicht zulässig sind
WY-20dunkelblau2 % Y₂O₃DCKritische Verbindungen, Titan, tiefer Einbrand

Die Farbe ist eine Norm, keine Marke: der Code stammt aus ISO 6848 (EN 26848), eine rote Spitze bedeutet also bei jedem Hersteller 2 % Thoriumoxid.

Wolframelektroden: Farbe, Oxid und Strombereich3:10
Video zum Artikel: Wolframelektroden: Farbe, Oxid und Strombereich

Durchmesser und Strom

Als Anhalt trägt eine Elektrode mit Gleichstrom rund 60 bis 80 A je Millimeter Durchmesser, mit Wechselstrom deutlich weniger — dort wird der Durchmesser mit Reserve gewählt, weil die positive Halbwelle die Elektrode aufheizt. Die genaue Zuordnung samt Anschliffwinkel, Gasdüse und Gasmenge gibt der Wolframrechner.

Durchmesser, mmDC−, AAC, AZusatzstab, mm
1,015–8020–601,0–1,6
1,670–15060–1201,6–2,0
2,0100–20080–1601,6–2,4
2,4150–250100–1802,0–3,0
3,2250–400160–2502,4–4,0
4,0400–500200–3203,0–4,0

Der Anschliff

Längs schleifen, nie quer: die Riefen führen den Lichtbogen. Kegellänge etwa das Zwei- bis Dreifache des Durchmessers, spitzer für kleine Ströme und schmalen Einbrand, stumpfer für hohe Ströme und Standzeit. Eine eigene Scheibe verwenden, sonst holt sich das Wolfram Eisen aus dem Stein — mehr unter WIG-Schweißen.

AnschliffwinkelStromWas es bringt
15–30°kleinLeichtes Zünden, schmaler Lichtbogen, tiefer schmaler Einbrand. Nutzt sich schnell ab.
30–60°mittelDer Kompromiss: ruhiger Lichtbogen und brauchbare Standzeit.
60–90°hochBreiter Lichtbogen, längste Standzeit, geringeres Risiko, die Spitze abzuschmelzen.
Kugel an der SpitzeAC (WP, WZ-8)Bildet sich auf Wechselstrom von selbst und hält den Kathodenfleck an Ort und Stelle.

Die Bezeichnung lesen: Buchstabe, Zahl, Farbe

Die Bezeichnung einer Elektrode hat drei Teile. W steht für Wolfram, der zweite Buchstabe für das zugesetzte Oxid: P — reines Wolfram ohne Zusatz, T — Thorium, C — Cer, L — Lanthan, Z — Zirkon, Y — Yttrium. Die Zahl ist der Oxidgehalt mal zehn: WL-15 enthält 1,5 % La₂O₃, WT-20 2 % ThO₂, WZ-8 0,8 % ZrO₂. Die Farbe an der Spitze wiederholt diese Angabe, damit man die Elektrode ohne Verpackung erkennt — deshalb beim Nachschleifen die Farbe am anderen Ende stehen lassen.

Welche Wolframelektrode wofür — die schnelle Wahl

  • Stahl und Edelstahl mit DC−: WL-20 (blau) als erste Wahl; WC-20 (grau), wenn dünnes Blech mit wenig Strom geschweißt wird und die Zündung sicher sein muss.
  • Aluminium und Magnesium mit AC: WP (grün) oder WZ-8 (weiß), die an der Stirn eine Kalotte bilden; am Rechteck-Inverter auch WL-20, spitz angeschliffen.
  • Titan und hochbeanspruchte Nähte: WY-20 (dunkelblau) mit DC.
  • Nur eine Sorte im Regal: WL-20 — läuft an DC und AC, ein Betrieb mit Stahl und gelegentlich Aluminium braucht also keine drei Sorten.

Die rote WT-20 ist weiter im Handel und schweißt mit DC sehr gut, ihr Schleifstaub enthält aber radioaktives Thorium. Wer sie verwendet, schleift auf einer eigenen Scheibe mit Absaugung und atmet den Staub nicht ein. Lanthan- und Cer-Elektroden liefern praktisch denselben Lichtbogen ohne dieses Problem.

Rechenbeispiel: welcher Durchmesser für welchen Strom

Die Stromtabelle oben nennt den Bereich jedes Durchmessers getrennt für DC− und AC. Zwei typische Fälle:

  1. Stahl 5 mm, 160 A DC−. Eine 2,4-mm-Elektrode trägt bei DC− 150–250 A — 160 A liegen unten im Bereich, ein Anschliff von 30–60° passt. Eine 1,6-mm-Elektrode (70–150 A) wäre schon überlastet.
  2. Aluminium, 200 A AC. Dieselbe 2,4 mm endet bei AC an 180 A, bei 200 A wäre sie also schon überlastet, und die Kalotte würde sichtbar wachsen. Richtig ist 3,2 mm (AC 160–250 A).

Der Fehler wirkt in beide Richtungen. Eine zu dünne Elektrode bei hohem Strom schmilzt an der Spitze und verliert Wolframtropfen ins Bad. Eine zu dicke bei wenig Strom — etwa 2,4 mm bei 30 A auf 1-mm-Blech — zündet widerwillig, und der Lichtbogen wandert über die Stirn. Für solche Ströme gibt es 1,0 mm (DC− 15–80 A).

Anschleifen in der Praxis

  • Eigene Scheibe. Eine Scheibe, auf der Stahl geschliffen wurde, trägt Späne auf den Wolfram und von dort in die Naht. Für Wolfram eine separate, am besten Diamantscheibe oder ein Schleifgerät verwenden.
  • Kegellänge 2–3 Durchmesser. Bei 2,4 mm sind das 5–7 mm. Ein kurzer Kegel gibt einen breiteren, ein langer einen schmaleren Lichtbogen.
  • Kleine Abflachung an der Spitze bei hohem Strom: statt Nadelspitze eine kleine Fläche, die nicht ins Bad abbricht.
  • Die Kalotte bei AC bildet sich an WP und WZ-8 von selbst. Wächst sie schnell und über den Elektrodendurchmesser hinaus, ist der Strom zu hoch oder die Balance zu weit Richtung Plus verschoben.

Farbe abgeschliffen — die Elektrode erkennen

Mit bloßem Auge geht es nicht: Elektroden mit verschiedenen Zusätzen sehen gleich aus. Deshalb bewahrt man sie in beschrifteten Köchern auf, eine Sorte je Köcher, und schleift das unbemalte Ende an. Eine unbekannte Elektrode legt man besser beiseite, als zu raten: WT-20 reißt bei AC und spritzt, WP verliert bei DC− schnell die Spitze.

Durchmesser, Anschliffwinkel und Gasdüse für einen bestimmten Strom rechnet Wolframelektrode auswählen, den Strom nach Blechdicke zeigt die Seite WIG-Schweißen, das Gas dazu Schutzgas auswählen.

Häufige Fragen

Welche Elektrode, wenn nur eine Sorte im Regal liegen soll?

Lanthaniert 2 % (blau, WL20). Sie deckt Gleich- und Wechselstrom ab, zündet zuverlässig und hält gut. Für den überwiegenden Teil der Arbeiten ist sie die richtige einzige Wahl.

Warum keine thorierten mehr?

Weil Thorium schwach radioaktiv ist und der Schleifstaub eingeatmet wird. Lanthanierte und cerierte erreichen dieselben Ströme und dieselbe Standzeit — es gibt keinen technischen Grund mehr für die roten.

Die Farbe ist abgeschliffen. Woran erkenne ich den Typ?

Gar nicht sicher. Deshalb gehören angebrochene Röhren beschriftet und verschiedene Typen nicht in denselben Behälter. Im Zweifel wird die Elektrode aussortiert — eine falsch geratene Elektrode kostet mehr Zeit, als sie wert ist.

Was bedeutet eine grüne Wolframelektrode?

Grün ist WP — reines Wolfram, mindestens 99,95 % W, ohne Oxidzusatz. Sie wird mit Wechselstrom für Aluminium und Magnesium eingesetzt, weil sie bei AC von selbst eine stabile Kalotte bildet.

Welche Wolframelektrode für Edelstahl?

WL-20 (blau) oder WC-20 (grau) mit DC−, längs angeschliffen auf einen Kegel von 2–3 Durchmessern. Für Blech bis 2 mm reicht 1,6 mm Durchmesser.

Welcher Durchmesser für 100 A?

1,6 mm: Sie trägt bei DC− etwa 70–150 A, bei AC 60–120 A. Ab rund 150 A DC− ist 2,4 mm die bessere Wahl.

Autor: , Schweißer und Metallbauer Aktualisiert: