Wartung und typische Störungen
Fast alles, was an einem Schweißgerät kaputtgeht, ist Staub, eine lose Verbindung oder ein Verschleißteil. Von außen nach innen zu arbeiten löst die große Mehrheit der Fälle.
Was regelmäßig zu tun ist
- Ausblasen. Staub im Gerät ist eine Wärmedecke; ein zugesetzter Kühlkörper senkt die Einschaltdauer, ohne dass sich am Datenblatt etwas geändert hätte.
- Klemmen und Anschlüsse nachziehen. Ein loser Bajonettanschluss erwärmt sich, und Wärme lockert ihn weiter.
- Masseklemme prüfen. Der billigste Teil der Anlage und der mit dem größten Einfluss auf den Lichtbogen.
- Verschleißteile im Brenner. Stromdüse, Führung, Gasdüse — siehe Brenner.
- Leitungen ansehen. Rissige Isolierung und angeschmorte Steckverbindungen sind Sicherheitsmängel, keine Schönheitsfehler.
Die vier häufigsten Störungen
Überhitzung. Einschaltdauer überschritten oder Luftweg zugesetzt. Rechnen und reinigen — siehe Einschaltdauer.
Unruhiger Lichtbogen. Beim E-Hand fast immer Masseklemme oder Kabelquerschnitt, beim MAG die Stromdüse. Erst außen suchen.
Kein Zünden. Beim WIG die Hochfrequenz oder ein zu großer Abstand, beim E-Hand feuchte Elektroden oder zu wenig Strom.
Sicherung fällt. Kennlinie, Zuleitung oder Trommelkabel — siehe das Gerät löst die Sicherung aus.
| Anzeichen | Zuerst prüfen |
|---|---|
| Zündet nicht | Masseklemme, Polung, Unterbrechung im Halter, feuchte Elektrode |
| Schaltet nach ein paar Minuten ab | Einschaltdauer überschritten, verstopfte Lüftungsschlitze, Staub im Gerät, Umgebungstemperatur |
| Schwacher Lichtbogen bei Nennstrom | Masseklemme, Kabelquerschnitt, Steckverbinder, Netzspannung unter Last |
| Unruhiger Lichtbogen, wandernder Strom | Stromdüse (MIG), lockerer Steckverbinder, verschmutztes Wolfram (WIG) |
| Löst die Sicherung aus | Auslösecharakteristik, Absicherung des Stromkreises, aufgerollte Kabeltrommel |
| Löst den FI-Schalter aus | Nässe, beschädigte Leitung, Feuchtigkeit im Gerät — ein echter Fehler, kein Fehlalarm |
| Ein Steckverbinder wird heiß | Nicht fest angezogen oder verriegelt, oxidierte Kontaktfläche |
| Der Draht kommt ruckelnd | Führungsspirale, Vorschubrollen, Stromdüse |
Die Reihenfolge

Masseklemme, Leitungen, Steckverbindungen, Verschleißteile, Einstellungen — und erst dann das Gerät. Diese Reihenfolge kostet nichts und erledigt die allermeisten Fälle, bevor überhaupt ein Gehäuse geöffnet werden muss.
Der Drahtvorschub: Rollen, Anpressdruck, Drahtführung
Am MIG/MAG-Gerät ist die Hälfte aller „Gerätestörungen“ in Wahrheit der Drahtweg von der Spule bis zum Kontaktrohr. Geprüft wird in dieser Reihenfolge, weil jeder Schritt mehr Zerlegen verlangt als der vorige:
- Spulenbremse. Zu locker — die Spule läuft nach dem Loslassen des Tasters nach und der Draht springt ab; zu fest — der Vorschubmotor arbeitet unter Last und der Draht rutscht in den Rollen.
- Vorschubrollen. Die Nut passend zu Durchmesser und Drahtart: V für Massivdraht aus Stahl, U für Aluminium, gerändelt für Fülldraht. Der auf der Rolle eingeschlagene Durchmesser muss zur Spule passen — eine 1,0er-Rolle greift 0,8-mm-Draht nicht, er rutscht.
- Anpressdruck. Nur so viel, dass der Draht nicht mehr rutscht, wenn man ihn mit dem Handschuh am Brenneraustritt festhält. Druck „bis zum Anschlag“ drückt den Draht flach, er hakt dann in der Seele und im Kontaktrohr, und Aluminium wird schlicht zerquetscht.
- Drahtführungsseele. Mit abgeschraubtem Kontaktrohr muss sich der Draht von Hand ohne merklichen Widerstand durch den Brenner schieben lassen. Geht es schwer, die Seele von der Vorschubseite ausblasen, hilft das nicht — tauschen. Für Stahl eine Stahlseele, für Aluminium PTFE oder Graphit.
Beim Seelenwechsel wird die Länge am gestreckten Schlauchpaket abgemessen. Eine zu kurze Seele lässt einen Spalt im Anschluss, in dem der Draht knickt; eine zu lange wellt sich im Schlauchpaket und bremst den Draht. Die Verschleißteile des Brenners stehen unter MIG/MAG-Brenner — Verschleißteile, die typischen Vorschubsymptome unter Draht fördert ungleichmäßig.
Gasstrecke: Dichtheit und Durchfluss
Ein Leck in Schlauch oder Verschraubung verschwendet nicht nur Gas. Ein Schlauch mit undichter Verschraubung saugt nach dem Injektorprinzip Luft an und bringt Poren, obwohl der Durchflussmesser richtig anzeigt. Die Prüfung dauert fünf Minuten:
- Flasche öffnen, Gas am Brenner zu, Verbindungen mit Wasser und Spülmittel einpinseln — Blasen zeigen das Leck;
- den Schlauch auf ganzer Länge ansehen, besonders an den Verschraubungen, wo er zuerst reißt;
- den Durchfluss mit der Gastest-Taste am Vorschub prüfen, nicht nach Gehör.
Wie viel Gas bei gegebener Düse und Stromstärke fließen soll, rechnet der Schutzgasverbrauch-Rechner.
Kühlgerät bei wassergekühlten Brennern
Ein wassergekühlter Brenner überhitzt nicht, weil er zu schwach ist, sondern weil das Kühlmittel nicht zirkuliert. Vor der Schicht den Stand im Tank prüfen und ob das Kühlmittel im gleichmäßigen Strahl zurückläuft. Eingefüllt wird das vom Gerätehersteller empfohlene Kühlmittel, kein Leitungswasser: Kalk setzt die feinen Kanäle des Brenners zu, und normales Wasser friert in der ungeheizten Halle und sprengt die Schläuche.
Wiederkehrende elektrische Prüfung
Ausblasen und Nachziehen der Anschlüsse ist Wartung. Die Sicherheitsprüfung regelt eine eigene Norm — EN IEC 60974-4 über wiederkehrende Inspektion und Prüfung von Lichtbogenschweißeinrichtungen; in Deutschland ist sie der Maßstab für die Prüfung nach DGUV Vorschrift 3. Dazu gehören Sichtprüfung, Schutzleiterdurchgang, Isolationswiderstand, Ableitströme, Leerlaufspannung und Funktionsprüfung. Sie macht eine Elektrofachkraft mit Messgeräten, die Frist legt der Unternehmer in der Gefährdungsbeurteilung fest oder der Hersteller in der Anleitung. Das Ergebnis kommt mit dem Termin der nächsten Prüfung auf die Gerätekarte, damit ihn niemand im Kopf behalten muss.
Beispiel: Die MAG knattert, der Draht stottert
Symptom: unruhiger Lichtbogen, der Draht beschleunigt und stockt, Spritzer kleben am Kontaktrohr. Die Reihenfolge der Fehlersuche:
- Kontaktrohr. Bohrung oval ausgeschlagen — tauschen. Kostet ein paar Cent und erledigt die Hälfte solcher Fälle.
- Masse. Klemme auf blankem Metall, Anschluss fest.
- Rollen und Anpressdruck. Nut passend zum Draht, Druck nach der Handschuhprobe.
- Seele. Draht ohne Kontaktrohr von Hand durchschieben; Widerstand — ausblasen oder tauschen.
- Spulenbremse und der Draht selbst. Rostiger Draht von einer feucht gelagerten Spule läuft durch keinen Vorschub sauber.
Erst wenn alle fünf Punkte stimmen und das Problem bleibt, lohnt der Weg zum Service — und dann aufschreiben, was schon geprüft ist.
Fehler, die das Gerät früher sterben lassen
- Aus nächster Nähe mit vollem Druck ausblasen. Der Strahl treibt Staub unter die Bauteile und kann das Lüfterlager ruinieren.
- Fett oder Öl in der Seele. Sammelt Staub und Späne, und eine Woche später fördert der Draht schlechter als vor der „Wartung“.
- Betrieb an der aufgerollten Kabeltrommel. Die nicht abgewickelte Trommel erwärmt sich und senkt die Spannung — dasselbe steht in der Störungstabelle in der Zeile zur Sicherung.
- Gehäuse in der Garantiezeit öffnen. Zuerst die fünf Prüfungen von außen; ein gebrochenes Siegel wegen eines verstopften Kühlkörpers kostet die Garantie ohne Grund.
Häufige Fragen
Wie oft muss ein Inverter ausgeblasen werden?
In staubiger Umgebung monatlich, sonst halbjährlich. Mit trockener Druckluft bei geringem Druck und ohne den Lüfter dabei drehen zu lassen — festgehaltenes Lüfterrad, sonst wird der Motor zum Generator.
Das Gerät schaltet nach Minuten ab.
Thermoschutz. Entweder ist die Einschaltdauer überschritten oder die Luftwege sind zu. Beides ist normal und beides ist ohne Öffnen zu beheben: warten und rechnen, oder ausblasen und für freie Ansaugung sorgen.
Lohnt eine Reparatur?
Bei Verschleißteilen, Leitungen, Klemmen und Lüfter immer. Bei der Leistungselektronik selten: die Diagnose kostet mehr als ein neues Gerät der unteren Klasse, und ohne Schaltplan ist sie kaum machbar.
Wie stellt man den Anpressdruck der Vorschubrollen ein?
Leicht beginnen und nachziehen, bis der Draht nicht mehr rutscht, wenn man ihn mit dem Handschuh am Brenneraustritt festhält. Mehr nicht: zu hoher Druck drückt den Draht flach, er hakt dann in Seele und Kontaktrohr. Aluminium braucht deutlich weniger Druck als Stahl.
Wann muss die Drahtführungsseele getauscht werden?
Wenn sich der Draht ohne Kontaktrohr nicht mehr ohne Widerstand von Hand durchschieben lässt und Ausblasen von der Vorschubseite nicht hilft. Zweites Zeichen: stotternde Förderung trotz neuem Kontaktrohr und richtig eingestellter Rollen. Für Stahl eine Stahlseele, für Aluminium PTFE oder Graphit.
Wie oft muss ein Schweißgerät elektrisch geprüft werden?
Die Frist legt der Unternehmer in der Gefährdungsbeurteilung fest oder der Hersteller in der Anleitung; geprüft wird nach EN IEC 60974-4 durch eine Elektrofachkraft. Nach einer Reparatur und nach Beschädigung, etwa einem Sturz oder Wassereintritt, wird unabhängig von der Frist geprüft.
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