Schweißerkleidung und Handschuhe
Das Etikett mit der Normnummer sagt mehr als Aussehen und Preis. Unten steht, was die Kennzeichnungen EN ISO 11611, EN 12477, EN 388 und EN 407 bedeuten — und was beim Schweißen überhaupt nichts am Körper zu suchen hat.
5:41Kurze Antwort
- Kleidung — EN ISO 11611, Klasse 1 oder 2, je nach Spritzeranfall.
- Handschuhe — EN 12477, Typ A für E-Hand und MAG, Typ B für WIG.
- Schuhe — EN ISO 20345, Klasse S3 mit HRO-Sohle und geschlossenem Schaft.
- Schutzschirm — EN 175 für das Gehäuse, EN 379 für den Filter, Schutzstufe passend zum Strom.
Normen und Kennzeichnungen
| Norm | Was sie abdeckt | Kennzeichnung |
|---|---|---|
| EN ISO 11611 | Schutzkleidung für Schweißarbeiten | Klasse 1 / Klasse 2 |
| EN ISO 11612 | Kleidung gegen Hitze und Flammen | A B C D E F |
| EN 12477 | Schweißerhandschuhe (Typ A und B) | A / B |
| EN 388 | Handschuhe — mechanische Risiken | abcd |
| EN 407 | Handschuhe — thermische Risiken | abcdef |
| EN ISO 20345 | Sicherheitsschuhe | S1 · S2 · S3 · HRO |
| EN ISO 20349-2 | Schuhe zum Schweißen (Kennzeichen WG) | WG |
| EN 175 · EN 379 | Augen- und Gesichtsschutz beim Schweißen | DIN 9–13 |
EN 407, EN 12477, EN ISO 20349: Normen für Kleidung?
Nein. Für Schweißerkleidung gilt nur EN ISO 11611 (und EN ISO 11612 für Hitze und Flammen allgemein). EN 12477 und EN 407 sind Handschuhnormen: Die erste legt die Typen A und B der Schweißerhandschuhe fest, die zweite beschreibt die Beständigkeit gegen Hitze und Flammen in sechs Ziffern. EN ISO 20349-2 gehört zu den Schuhen, das Kennzeichen WG steht für Beständigkeit gegen Spritzer flüssigen Metalls. EN 407 allein auf dem Etikett belegt nicht, dass ein Kleidungsstück Schweißerkleidung ist. Die komplette Ausrüstung steht im Beitrag Persönliche Schutzausrüstung.
Klasse 1 oder Klasse 2
EN ISO 11611 teilt die Kleidung in zwei Klassen danach, wie viele Spritzer und wie viel Strahlungswärme sie aushalten muss. Klasse 1 genügt bei geringem Spritzeranfall: WIG, dünnes Blech, Ströme bis etwa hundert Ampere. Klasse 2 gilt für E-Hand und MAG bei höheren Strömen, für Zwangslagen und überall dort, wo Spritzer nach oben und in den Kragen fliegen.
Praktische Probe: findet man nach der Schicht durchgebrannte Punkte auf den Ärmeln, war die Klasse zu niedrig — oder das Kleidungsstück ist schlicht verbraucht. Das Gewebe verliert nach Jahren des Waschens seine Schutzwirkung, und durchgebrannte Löcher wachsen nicht nach.
Handschuhe: Typ A oder Typ B
EN 12477 ist die Norm eigens für Schweißerhandschuhe und unterscheidet zwei Typen. Typ A — mehr Hitzebeständigkeit auf Kosten des Gefühls, für Stabelektrode und Halbautomat. Typ B — mehr Fingerfertigkeit auf Kosten des Schutzes, für WIG, wo der Zusatzstab mit den Fingern geführt wird.
Auf demselben Handschuh stehen zwei weitere Kennzeichnungen, EN 388 und EN 407 — wie man sie liest, steht weiter unten.
Von Schweiß oder Wasser durchnässte Haut leitet. Beim Schweißen in Nässe, in liegender Lage und in engen Räumen ist das einer der realen Wege zum Stromschlag — deshalb werden Handschuhe nicht nass benutzt, und für Arbeiten unter solchen Bedingungen gelten die zusätzlichen Maßnahmen aus der elektrischen Sicherheit.
Was nichts am Körper zu suchen hat
Synthetik darunter. Polyester und Nylon brennen nicht — sie schmelzen. Die Schmelze klebt auf der Haut, und die Verbrennung geht tiefer, als der Spritzer allein sie getrieben hätte. Unterwäsche beim Schweißen ist Baumwolle oder Wolle, Socken eingeschlossen.
Ölige Kleidung. Öl und Fett auf dem Stoff sind Brennstoff. Dieselbe Jacke, die sauber einen Spritzer wegsteckt, fängt mit Flecken Feuer.
Offene Schnürsenkel und freie Knöchel. Daher stammen die meisten Fußverbrennungen: der Tropfen findet den Weg in den Schuh, und mit Handschuhen bekommt man ihn dort nicht wieder heraus.
EN ISO 11611 in Zahlen: Klasse 1, Klasse 2, A1 und A2
Die Klasse auf dem Etikett ist keine Einschätzung des Herstellers, sondern das Ergebnis bestimmter Gewebeprüfungen. Zwei davon entscheiden über die Klasse: wie viele Tropfen flüssigen Metalls das Gewebe aufnimmt, bevor die Temperatur dahinter um 40 K steigt, und nach wie vielen Sekunden Strahlungswärme es sich um 24 K erwärmt (Kennwert RHTI24). Die Mindestwerte nennen übereinstimmend die Gewebehersteller TenCate und HAVEP, die Zuordnung der Arbeiten zu den Klassen stammt aus Anhang A der Norm in der Darstellung von Kübler und powerandcables:
| Prüfung | Klasse 1 | Klasse 2 |
|---|---|---|
| Tropfen flüssigen Metalls bis 40 K Temperaturanstieg (ISO 9150) | ≥ 15 Tropfen | ≥ 25 Tropfen |
| Strahlungswärme, RHTI24 (ISO 6942) | ≥ 7 s | ≥ 16 s |
| Begrenzte Flammenausbreitung (ISO 15025) | A1 Pflicht, A2 optional | A1 Pflicht, A2 optional |
| Typische Arbeiten (Anhang A der Norm) | WIG, MIG mit geringer Stromstärke, E-Hand mit Rutilelektrode, Hartlöten, Bedienen von Plasmaschneidmaschinen | E-Hand mit basischer und Zellulose-Elektrode, MAG, MIG mit hoher Stromstärke, Fülldraht, handgeführtes Plasma- und Brennschneiden, Fugenhobeln, Überkopfarbeit, enge Räume |

So liest man das. Klasse 2 hält zwei Drittel mehr Tropfen aus (25 statt 15) und schützt mehr als doppelt so lange vor Strahlungswärme (16 s statt 7). Beide Klassen bestehen dieselbe Prüfung der Flammenausbreitung: A1 heißt Beflammung der Gewebefläche und ist Pflicht, A2 heißt Beflammung der Kante und ist optional. A2 zählt an Hosen- und Ärmelsäumen und an der Jackenkante, wo ein Funke genau auf den Rand trifft. Ein Etikett „EN ISO 11611 Klasse 2 A1+A2“ ist also die vollständigste Ausführung der Norm.
Ein Auswahlbeispiel. Ein Schweißer macht vormittags MAG am Stahlbau (180 A), nachmittags WIG an Edelstahl. Die Klasse richtet sich nach der schwereren Arbeit: MAG ist Klasse 2, also ist die ganze Ausrüstung Klasse 2. Umgekehrt geht es nicht — eine Klasse-1-Jacke brennt beim MAG innerhalb weniger Wochen an Unterarmen und Brust durch, wo die meisten Spritzer landen.
EN ISO 11611 und EN ISO 11612: der Unterschied
Beide Normen betreffen schwer entflammbare Kleidung, schützen aber vor Verschiedenem. EN ISO 11611 ist für das Schweißen geschrieben: kleine Metalltropfen, kurzer Flammenkontakt, Strahlung des Lichtbogens. EN ISO 11612 gilt für Arbeit mit Hitze und Flammen allgemein — Hütte, Gießerei, Ofen — und beschreibt den Schutz mit Kennbuchstaben und Stufen:
- A1/A2 — begrenzte Flammenausbreitung (wie in 11611);
- B1–B3 — konvektive Hitze;
- C1–C4 — Strahlungswärme;
- D1–D3 — Spritzer flüssigen Aluminiums;
- E1–E3 — Spritzer flüssigen Eisens;
- F1–F3 — Kontaktwärme.
Die praktische Folgerung: Kleidung nur mit EN ISO 11612 ist keine Schweißerkleidung, weil sie die Prüfung mit kleinen Tropfen nach ISO 9150, die 11611 verlangt, nicht nachweist. Eine Jacke mit beiden Normen taugt zum Schweißen und für Arbeit am Ofen oder beim Gießen, wo die Codes D und E zählen. Auf Etiketten stehen außerdem EN 1149-5 (elektrostatische Eigenschaften) und IEC 61482-2 (Störlichtbogen bei Elektroarbeiten) — eigene Gefährdungen, die mit dem Schweißen nichts zu tun haben.
Material: Leder, flammhemmende Baumwolle, Mischgewebe
Leder verträgt schwere Spritzer und Hitze am besten, deshalb sind Schürzen, Ärmel, Umhänge für Überkopfarbeit und Handschuhe daraus. Es ist schwer und warm, ein kompletter Lederanzug ist deshalb die Ausnahme. Flammhemmend ausgerüstete Baumwolle ist der übliche Stoff für Jacken und Hosen: atmungsaktiv und günstig, aber die Ausrüstung hält eine vom Hersteller angegebene Zahl von Wäschen. Mischgewebe mit von Natur aus flammbeständigen Fasern (Aramid, Modacryl) verlieren ihre Eigenschaften beim Waschen nicht, sind leichter und teurer. Über die Eignung entscheiden Norm und Klasse auf dem Etikett, nicht das Aussehen des Stoffs.
Handschuhe: EN 12477, EN 388 und EN 407 lesen
Ein Schweißerhandschuh nach EN 12477 braucht Ergebnisse der mechanischen Prüfung (EN 388), der thermischen Prüfung (EN 407) und muss die allgemeinen Anforderungen an Handschuhe erfüllen (früher EN 420, heute EN ISO 21420). Typ A muss höhere thermische und mechanische Stufen erreichen, Typ B eine höhere Fingerfertigkeit. So liest man die Angaben auf einem typischen E-Hand-Handschuh:
- EN 388 „3122X“ — Abrieb 3, Schnitt 1, Weiterreißen 2, Durchstich 2; X heißt: der Schnitttest nach ISO 13997 wurde nicht gemacht.
- EN 407 „413X4X“ — Brennverhalten 4, Kontaktwärme 1, konvektive Hitze 3, Strahlungswärme nicht geprüft, kleine Spritzer 4, große Mengen flüssigen Metalls nicht geprüft.
Für Schweißer zählt vor allem die fünfte Ziffer von EN 407 — kleine Spritzer flüssigen Metalls. Für E-Hand und MAG sucht man dort einen hohen Wert und eine lange Stulpe. Beim WIG ist wichtiger, dass der Handschuh dünn ist und sitzt: ein zu großer Typ-B-Handschuh bedeutet weniger Gefühl für den Stab und öfter eine Wolframelektrode im Schmelzbad. Wer nach „EN 12477 Kleidung“ oder „EN 407 Kleidung“ sucht: Beide Normen gelten für Handschuhe, nicht für Jacken und Hosen — für Kleidung ist EN ISO 11611 die richtige, und EN ISO 20349 regelt Schuhe für Schweißer (Kennzeichen WG).
Wie man Schweißerkleidung trägt
- Kragen zu. Beim WIG und MIG an Aluminium bekommt ein offener Hals in einer Schicht UV-Verbrennungen.
- Ärmel über die Stulpe. Der Spritzer läuft am Ärmel außen am Handschuh ab, nicht hinein.
- Taschenklappen geschlossen. Eine oben offene Tasche sammelt Tropfen und hält sie am Körper.
- Hose über den Schuh, ohne Aufschlag. Der Aufschlag fängt den Tropfen am Knöchel — die klassische Schweißerverbrennung.
- Jacke überlappt die Hose. Beim Bücken darf in der Taille kein Spalt entstehen.
- Nichts Brennbares in den Taschen. Gasfeuerzeug, Streichhölzer, Notizzettel bleiben im Spind.
Waschen, Reparieren und wann aussondern
Gewaschen wird nach den Pflegesymbolen auf dem Etikett, denn nur unter diesen Bedingungen sagt der Hersteller den Erhalt der Schutzwirkung zu. Öl- oder fettverschmierte Kleidung sofort waschen: Fett brennt, ob das Gewebe schwer entflammbar ist oder nicht. Repariert wird mit einem Flicken aus Gewebe gleicher Eigenschaften und mit flammhemmendem Garn; ein Flicken aus Jeans oder Kunstfaser macht ein Loch in den Schutz.
Kleidung wird ausgesondert, wenn:
- sie Durchbrände oder durchgescheuerte Stellen hat;
- das Gewebe angesengt, steif oder brüchig ist;
- Ölverschmutzung beim Waschen nicht herausgeht;
- die vom Hersteller angegebene Zahl der Wäschen überschritten ist;
- Reißverschlüsse und Verschlüsse nicht mehr halten und sie sich nicht geschlossen tragen lässt.
Lederhandschuhe trocknet man weg von der Heizung — nass überhitztes Leder wird hart, schrumpft und reißt. Ein Handschuh mit Durchbrand oder offener Naht wird sofort ersetzt. Die Kosten für PSA darf der Arbeitgeber nicht auf die Beschäftigten abwälzen (§ 3 Abs. 3 ArbSchG); EU-weit stellt er sie nach der Richtlinie 89/656/EWG kostenlos.
Typische Fehler bei Kleidung und Handschuhen
- Fleece oder Polyestershirt unter der Jacke. Der häufigste Winterfehler — die Jacke brennt an einer Stelle durch, die Verbrennung durch geschmolzene Kunstfaser ist großflächig.
- Hochgekrempelte Ärmel bei Hitze. UV und Spritzer auf die Unterarme.
- Ein Paar Handschuhe für alles. Ein dicker Typ-A-Handschuh verdirbt beim WIG die Stabführung, ein dünner Typ B lässt beim E-Hand die Hitze in Minuten durch.
- Warnweste aus Polyester darüber. Sie schmilzt; auf der Baustelle Warnschutzkleidung wählen, die zugleich EN ISO 11611 erfüllt.
- Klasse-1-Jacke zum Fugenhobeln und Schneiden. Anhang A verlangt hier Klasse 2.
- Nasse Handschuhe beim Schweißen in feuchter Umgebung. Die Isolation ist weg.
Die übrige Ausrüstung
Augenschutz und Wahl der Schutzstufe — der Schweißerschutzschirm und der DIN-Schutzstufenrechner. Der Atemschutz, den Kleidung nicht ersetzt — Masken und Gebläse. Die gesamte Ausrüstung an einer Stelle — persönliche Schutzausrüstung.
Häufige Fragen
Reicht normale Arbeitskleidung zum Schweißen?
Nein. Schweißerkleidung muss EN ISO 11611 erfüllen — es geht darum, dass das Gewebe keine Flamme weiterträgt und dass sich Spritzer nicht darin festsetzen. Gewöhnlicher Baumwolldrillich brennt, Polyester schmilzt und klebt auf der Haut; eine Verbrennung durch geschmolzene Kunstfaser heilt schlechter als die durch den Spritzer selbst.
Worin unterscheiden sich Handschuhe vom Typ A und Typ B?
Hitzebeständigkeit gegen Gefühl. EN 12477 teilt Schweißerhandschuhe in Typ A — dicker, für E-Hand und MAG, wo mehr Spritzer fliegen — und Typ B, dünner und feinfühliger, für WIG, wo der Zusatz mit den Fingern geführt wird. Typ B an der Stabelektrode heißt verbrannte Hände, Typ A beim WIG heißt Zusatzstab auf dem Boden.
Was bedeuten die Ziffern auf dem Handschuh?
Die vier Ziffern unter dem Hammer sind EN 388: Abrieb, Schnitt, Weiterreißen, Durchstich — höher ist besser, üblich ist die Skala 0–4 oder 0–5. Die sechs Ziffern unter der Flamme sind EN 407: Brennverhalten, Kontaktwärme, Konvektionswärme, Strahlungswärme, kleine Spritzer und größere Mengen flüssigen Metalls. Für den Schweißer zählen vor allem die letzten beiden.
Was bedeuten A1 und A2 auf Schweißerkleidung?
Es sind die Prüfverfahren der Flammenausbreitung nach ISO 15025. A1 — Beflammung der Gewebefläche, für EN ISO 11611 Pflicht. A2 — Beflammung der Kante, optional, wichtig an Ärmel- und Hosensäumen. „A1+A2“ heißt, das Gewebe hat beide bestanden.
Klasse 1 oder Klasse 2 für MIG/MAG?
Für MAG Klasse 2: Anhang A der EN ISO 11611 zählt MAG unter CO₂ und Mischgas, MIG mit hoher Stromstärke und Fülldraht zu den spritzerreichen Verfahren. Klasse 1 reicht für MIG mit geringer Stromstärke und für WIG. In der Prüfung hält Klasse 2 mindestens 25 Metalltropfen aus statt 15.
Taugt Kleidung nach EN ISO 11612 zum Schweißen?
Allein nicht. EN ISO 11612 schützt vor Hitze und Flammen allgemein (Codes A–F), enthält aber nicht die Spritzerprüfungen, die EN ISO 11611 verlangt. Zum Schweißen braucht man 11611; viele Jacken tragen beide Normen.
Wie wäscht man Schweißerkleidung?
Nach den Pflegesymbolen auf dem Etikett und sofort, wenn sie ölig ist — Fett brennt auch auf schwer entflammbarem Gewebe. Ausgerüstete Baumwolle behält ihre Eigenschaften über die vom Hersteller genannte Zahl von Wäschen. Flicken nur aus flammhemmendem Gewebe und Garn.
Aktualisiert: