Fallnaht schweißen: wann sie erlaubt ist und wie man führt
Die Fallnaht geht schnell und sieht sauber aus, verzeiht aber deutlich weniger als die Steignaht. Hier steht, wann die Technik erlaubt ist, wann nicht und welche Werte man einstellt.
Wann fallend geschweißt wird
Fallend schweißt man dünnes Blech bis etwa 4 mm, wo die Steignaht durchbrennen würde. Der zweite Fall ist die Wurzellage an Fernleitungen mit Zelluloseelektrode: dort steht die fallende Richtung in der Anweisung. Der dritte ist verzinktes Blech und Karosseriearbeit, wo Tempo und wenig Wärme zählen.
Wann es verboten ist
Bei dickem Werkstoff und an tragenden Konstruktionen nicht. Das Bad läuft dem Lichtbogen voraus, der Einbrand bleibt flach, und unter einer schön aussehenden Raupe sitzt ein Bindefehler, den kein Auge findet. Basische Elektroden sind für Fallnaht nicht gedacht: die Schlacke überholt das Bad. Lässt die WPS die fallende Richtung nicht zu, entscheidet die WPS.
Wie man führt
Den Lichtbogen kurz halten und ins Bad richten, nie davor. Die Elektrode steht in 70–80° zum Blech, die Spitze nach oben — so drückt der Lichtbogen das flüssige Metall nach hinten. Zügig und ohne Pendeln führen: jede Pause wird zur Überlappung. Den Strom 10–15 % höher wählen als bei der Steignaht auf gleicher Dicke.
Richtwerte für die Zelluloseelektrode
| Dicke, mm | Elektrodendurchmesser, mm | Strom, A |
|---|---|---|
| 1,5 | 2,0 | 55–75 |
| 2,0 | 2,5 | 70–95 |
| 3,0 | 2,5–3,2 | 90–120 |
| 4,0 | 3,2 | 110–150 |
| 5,0 | 3,2–4,0 | 130–170 |
Elektroden und Draht
Für die Fallnaht mit Stabelektrode eignen sich Zelluloseelektroden E 6010 und E 6011 sowie dünne Rutilelektroden. Basische scheiden aus. Beim MIG/MAG fährt man fallend im Kurzlichtbogen auf dünnem Blech; ein Fülldraht muss die Fallposition in der Bezeichnung führen, sonst kommt die Schlacke nicht hinterher.
Häufige Fehler
Zu langsames Führen — das Bad überholt den Lichtbogen, es entsteht eine Überlappung mit Bindefehler darunter. Zu langer Lichtbogen — Schlacke läuft in die Raupe. Pendeln wie bei der Steignaht ergibt fallend keinen Sinn und kühlt nur die Kante.
Was die Norm sagt
Die fallende Senkrechtposition heißt PG nach EN ISO 6947, die amerikanische Entsprechung ist 3G downhill. Eine in PG bestandene Prüfung deckt PF nicht ab: das sind zwei Positionen und zwei Prüfstücke.
Häufige Fragen
Ist die Fallnaht schwächer?
An sich nicht, aber sie bringt weniger Einbrand. Auf dünnem Blech ist das ein Vorteil, auf dickem ein Nachteil: bei gleicher Lagenzahl trägt die Verbindung weniger. Darum werden tragende Konstruktionen steigend geschweißt.
Mit welchen Elektroden schweißt man fallend?
Mit Zelluloseelektroden E 6010 und E 6011 sowie dünnen Rutilelektroden. Basische Elektroden taugen nicht für Fallnaht: die Schlacke überholt das Bad und landet in der Naht.
Deckt eine PF-Prüfung das fallende Schweißen ab?
Nein. PF ist steigend, PG ist fallend; nach EN ISO 9606-1 sind das getrennte Positionen mit getrennten Prüfstücken. Keine ersetzt die andere.
Aktualisiert: