Elektroden rücktrocknen: Temperatur und Zeit
Basische Stabelektroden werden bei 300–400 °C für 1–2 Stunden rückgetrocknet: ESAB OK 48.00 bei 350 °C, 2 h, Böhler FOX EV 50 bei 300–350 °C, mindestens 2 h, Lincoln E7018 bei 340–400 °C, 1 h. Dieselben Elektroden höchstens dreimal. Rutilelektroden brauchen das selten, Zelluloseelektroden darfst du nie trocknen. Unten die Werte je Marke aus den Herstellerdatenblättern.
Kurze Antwort
Die Rücktrocknungsbedingungen stehen auf dem Etikett, und das Etikett geht jeder Tabelle vor. Bei basischen (wasserstoffarmen) Elektroden liegen sie fast immer bei 300–400 °C und 1–2 h, gerechnet ab dem Moment, in dem die ganze Charge durchgewärmt ist; danach kommen die Elektroden in den Warmhalteofen bei 100–150 °C und im beheizten Köcher an den Arbeitsplatz. ESAB und Lincoln empfehlen, dieselben Elektroden höchstens dreimal rückzutrocknen, ukrainische Kesselvorschriften (VBN A.3.1-36-5-97) erlauben nur zweimal. Rutilelektroden für unlegierten Stahl brauchen keine Rücktrocknung, feucht gewordene trocknest du nach Etikett. Zelluloseelektroden werden gar nicht getrocknet. Aus einer unversehrten Vakuumverpackung (ESAB VacPac, Böhler Dry System) gehen die Elektroden ohne Rücktrocknung in den Einsatz.
Rücktrocknung nach Marke: Tabelle
Temperatur heißt Temperatur in der ganzen Charge, Zeit heißt Haltezeit danach. Jede Zeile ist durch mindestens zwei übereinstimmende Unterlagen belegt — Datenblatt, Herstellerhandbuch, Händlerblatt oder Vorschrift; Marken mit widersprüchlichen Angaben sind nicht aufgenommen.
Basische Umhüllung (wasserstoffarm)
| Marke | Klasse | Temperatur | Zeit | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| ESAB OK 48.00 | E7018 · E 42 4 B 42 H5 | 350 °C | 2 h | höchstens dreimal; OK 48.00 N: insgesamt höchstens 24 h |
| ESAB OK 55.00 | E7018-1 H4 R | 350 °C | 2 h | |
| ESAB OK 53.70 | E7016-1 · E 42 5 B 12 H5 | 350 °C | 2 h | Datenblatt ESAB-SVEL: 330–370 °C, 2 h |
| Böhler FOX EV 50 | E7018-1 H4R · E 42 5 B 42 H5 | 300–350 °C | ≥ 2 h | aus der Dry-System-Packung 9 h ohne Rücktrocknung |
| Kobelco LB-52 | E7016 | 300–350 °C | 0,5–1 h | |
| Lincoln E7018, E7028 | AWS A5.1 | 340–400 °C | 1 h | nass gewordene erst bei 80–105 °C 1–2 h vortrocknen |
| Lincoln E8018 … E11018 | AWS A5.5 | 370–430 °C | 1 h | höchstens drei einstündige Rücktrocknungen |
| UONI 13/45 | E42A · E 42 4 B | 350–400 °C | 1–2 h | VBN: 350–370 °C, 60 min; ESAB-SVEL: 350–400 °C, 2 h |
| UONI 13/55 | E50A · E 50 4 B | 350–400 °C | 1–2 h | VBN: 370–400 °C, 60 min; Monolith: 400 ± 20 °C, 60 min |
Rutilumhüllung
| Marke | Klasse | Temperatur | Zeit | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| ESAB OK 46.00 | E6013 · E 38 0 RC 11 | nicht nötig | — | nur wenn feucht — nach Etikett |
| MR-3 | E46 · E 46 0 RR 12 | 100–180 °C | 40–60 min | bei trockener Lagerung nicht nötig; je nach Werk: VBN 180 °C, 60 min; SOLARIS 100–120 °C, 40 min |
Zelluloseumhüllung
| Marke | Klasse | Temperatur | Zeit | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| ESAB OK 22.45 P | E6010 · E 38 3 C 21 | nicht trocknen | — | die Feuchte in der Umhüllung ist gewollt; bei Nässe erlaubt Lincoln einen Schrank mit 40–50 °C |
| Lincoln Fleetweld 5P, 5P+ | E6010 | nicht trocknen | — | die Feuchte in der Umhüllung ist gewollt; bei Nässe erlaubt Lincoln einen Schrank mit 40–50 °C |
Edelstahl
| Marke | Klasse | Temperatur | Zeit | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| ESAB OK 61.30 | E308L-17 · E 19 9 L R 12 | 350 °C | 2 h | auch rutile Edelstahlelektroden vertragen keine Feuchte: Startporen |
| ESAB OK 63.30 | E316L-17 · E 19 12 3 L R | 350 °C | 2 h | auch rutile Edelstahlelektroden vertragen keine Feuchte: Startporen |
Gusseisen und Aluminium
| Marke | Klasse | Temperatur | Zeit | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| ESAB OK 92.18 (OK Ni-CI) | E Ni-CI | 200 °C | 2 h | |
| ESAB OK AlSi12 | Al-Si 12 | 120 °C | 1–2 h | in der geschlossenen Dose nicht nötig |
Wann rücktrocknen: Entscheidungsschema
Geh die Liste von oben durch — der erste passende Punkt gibt die Antwort.
- Zelluloseumhüllung (E6010, E6011, OK 22.45 P, Fleetweld 5P+). Nie trocknen: Die Feuchte in der Umhüllung braucht der Lichtbogen, ESAB und Lincoln raten ausdrücklich davon ab.
- Vakuumverpackung unversehrt (ESAB VacPac, Böhler Dry System). Keine Rücktrocknung nötig. Nach dem Öffnen läuft die Uhr: Über 60 % Luftfeuchte und 22 °C verlangt ESAB die Rücktrocknung nach 4 h (Elektroden mit „R“ nach 8 h), Böhler erlaubt bei FOX EV 50 aus dem Dry System 9 h.
- Basische Umhüllung und Wasserstoffanforderung an die Naht: Kennzeichen H5 oder H10 in der Bezeichnung, Durchstrahlungsprüfung, dicke Bleche, aufhärtende Stähle, Schweißen bei Frost. Vor dem Einsatz nach Etikett rücktrocknen, angebrochene Packungen im Ofen halten. H5 heißt höchstens 5 ml diffusibler Wasserstoff je 100 g Schweißgut, H10 höchstens 10; eine feuchte Umhüllung hält dieses Versprechen nicht mehr.
- Rutilumhüllung, normaler Baustahl. In der Regel nicht nötig (so steht es bei ESAB). Ist die Packung feucht geworden, nach Etikett bei niedriger Temperatur trocknen.
- Anzeichen von Feuchte bei jeder Umhüllung: dunklere Umhüllung, deutlich mehr Spritzer, lauter, harter Lichtbogen, ungleichmäßige Schlacke, Poren in der Naht. Stark durchnässte Elektroden rettet keine Rücktrocknung — laut ESAB gehören sie in den Ausschuss.
Richtig rücktrocknen
- Die Zeit zählt ab Durchwärmung, nicht ab Einschalten des Ofens: Die Angabe gilt für die Temperatur im Inneren der Elektroden (ESAB).
- Höchstens vier Lagen im Ofen; die Elektroden aus dem Karton nehmen und ausbreiten, damit jede durchwärmt (ESAB, Lincoln).
- Beschicken und Aufheizen. Nach der ukrainischen VBN A.3.1-36-5-97 ist der Ofen beim Beschicken höchstens 150 °C warm, aufgeheizt wird mit 100–200 °C pro Stunde: Schnelles Aufheizen lässt die Umhüllung reißen.
- Nie über dem Datenblatt. Lincoln: Mehrere Stunden bei niedrigerer Temperatur ersetzen die Vorgabe nicht, Überhitzen schadet der Umhüllung; Kobelco ergänzt, dass zu langes Trocknen bei hoher Temperatur die Porenfreiheit verschlechtert.
- Trocknungsprotokoll führen. Datum, Bedingungen, wievielte Rücktrocknung — sonst kann niemand das Limit von drei Durchgängen prüfen.
Wie oft darf man Elektroden rücktrocknen?
Die Hersteller sind sich einig: ESAB empfiehlt höchstens drei Rücktrocknungen, Lincoln erlaubt bei E8018 und höherfesten Elektroden höchstens drei einstündige, weil sonst die Legierungselemente in der Umhüllung oxidieren und Festigkeit und Kerbschlagarbeit sinken. Das Datenblatt der OK 48.00 N erlaubt mehrere Rücktrocknungen, insgesamt aber höchstens 24 h. Manche Vorschriften sind strenger: Die ukrainische VBN A.3.1-36-5-97 für Kesselreparaturen lässt nur zwei Rücktrocknungen derselben Elektroden zu. Auf der Baustelle gilt die strengere Regel.
Lagern nach dem Rücktrocknen
- Warmhalteofen 100–150 °C: Kobelco nennt 100–150 °C, ESAB und Lincoln 120–150 °C. Dort liegen rückgetrocknete Elektroden und alles, was aus einer hermetischen Verpackung kommt.
- Köcher am Arbeitsplatz: Bei ESAB 70–130 °C und höchstens 8 h, nach der Schicht kommt der Rest zurück in den Ofen. Lincoln gibt normale E7018 zweimal pro Schicht aus, Elektroden mit „R“ dürfen bis zu 9 h an der Luft liegen.
- Frist nach der Rücktrocknung laut VBN A.3.1-36-5-97: basische binnen 3 Tagen, die übrigen binnen 15 Tagen bei richtiger Lagerung.
- Lager (ESAB): bei 5–15 °C höchstens 60 % Luftfeuchte, bei 15–25 °C 50 %, über 25 °C 40 %. Eine kalte Packung erst öffnen, wenn sie Raumtemperatur hat.
Warum das Etikett vor der Tabelle kommt
Elektroden sowjetischer Bauart stellen Dutzende Werke her, jedes mit eigenen Werten. UONI 13/55: VBN 370–400 °C, 60 min; ESAB-SVEL 350–400 °C, 2 h; Monolith 400 ± 20 °C, 60 min. Die Edelstahlelektrode OZL-8: nach VBN A.3.1-36-2-96 200 °C, 1 h, bei Monolith 350–370 °C, 1 h. Nimm die Tabelle also als Orientierung und Kontrolle und die Bedingungen vom Etikett deiner Charge. Umhüllung und Stromart je Marke findest du im Elektrodenkatalog, die Unterschiede der Umhüllungen unter Umhüllungstypen.
Was ohne Rücktrocknung passiert: Wasserstoff aus feuchter Umhüllung verursacht Kaltrisse (wasserstoffinduzierte Risse) — manchmal erst einen Tag nach dem Schweißen — und bei sehr nassen Elektroden zusätzlich Poren.
Quellen
- ESAB: „Storage & handling recommendations for consumables“ und „Storage & handling recommendations for filler metals“ (XA00232420); Datenblätter OK 48.00 und OK AlSi12; ESAB Welding Filler Metal Handbook 2016.
- voestalpine Böhler Welding: Datenblatt und Broschüre BÖHLER FOX EV 50.
- Lincoln Electric: „Storing and Redrying Electrodes“ (MC22-140) und Abschnitt Storage & Handling im Katalog.
- KOBELCO Welding Handbook.
- Ukrainische Vorschriften VBN A.3.1-36-5-97 und VBN A.3.1-36-2-96; Produktblätter ESAB-SVEL, Monolith, SOLARIS.
- Zeilen zusätzlich mit Händlerblättern abgeglichen (ESAB-SVEL OK 53.70, OK Ni-CI, Kobelco LB-52).
Häufige Fragen
Bei welcher Temperatur werden basische Elektroden rückgetrocknet?
Bei 300–400 °C für 1–2 h, genau nach Etikett: ESAB OK 48.00 350 °C, 2 h; Böhler FOX EV 50 300–350 °C, mindestens 2 h; Kobelco LB-52 300–350 °C, 0,5–1 h; Lincoln E7018 340–400 °C, 1 h. Danach Warmhalteofen mit 100–150 °C und Köcher am Arbeitsplatz.
Wie oft darf man Elektroden rücktrocknen?
Laut ESAB und Lincoln höchstens dreimal (Lincoln: drei einstündige Durchgänge bei E8018 und höher). Ukrainische Kesselvorschriften (VBN A.3.1-36-5-97) erlauben zweimal. Wird die Umhüllung spröde und bröckelt, kommen die Elektroden unabhängig von der Zahl in den Ausschuss.
Muss ich Rutilelektroden wie OK 46.00 rücktrocknen?
Bei trockener Lagerung nicht: ESAB schreibt, dass Rutilelektroden für unlegierten Stahl normalerweise keine Rücktrocknung brauchen. Feucht gewordene trocknest du nach Etikett, deutlich niedriger als basische. Die 300–350 °C der basischen Elektroden sind für Rutil nicht vorgesehen.
Darf man Zelluloseelektroden trocknen?
Nein. Bei E6010 und E6011 (OK 22.45 P, Fleetweld 5P+) gehört die Feuchte zur Funktion — sie gibt den harten, tief einbrennenden Lichtbogen. ESAB schreibt, dass Zelluloseelektroden nicht rückgetrocknet werden dürfen, Lincoln rät davon ab. Lagere sie in der geschlossenen Packung.
Müssen Elektroden aus der Vakuumverpackung rückgetrocknet werden?
Solange das Vakuum hält, nicht: ESAB VacPac und Böhler Dry System gehen direkt aus der Packung in den Einsatz. Nach dem Öffnen ist die Zeit an der Luft begrenzt (ESAB: 4 h, bei „R“ 8 h über 60 % Luftfeuchte; Böhler FOX EV 50: 9 h), danach Rücktrocknung nach Etikett. Hat die Packung ihr Vakuum verloren, trocknest du die Elektroden für kritische Nähte zurück.
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