pWPS-Generator
Eine vorläufige Schweißanweisung nach EN ISO 15609-1: Prozess, Werkstoffgruppe, Dicke und Position angeben — der Generator stellt das Blatt mit Nahtvorbereitung, Zusatzwerkstoff, Gas, Strom und Wärmeführung zusammen. Das Blatt lädt sich als Tabelle herunter, den Rest trägst du selbst ein.
Kurze Antwort
Eine pWPS ist dasselbe Blatt wie eine WPS, nur vor der Prüfung: dieselben Felder, aber noch nichts darin ist nachgewiesen. Du schreibst sie, schweißt danach ein Prüfstück, und nach dem WPQR-Bericht wird eine WPS daraus. Der Generator darunter stellt dieses Blatt aus deinen Angaben zusammen: Nahtvorbereitung, Zusatzwerkstoff, Gas, Strom und Wärmeführung.
Woher die Zahlen kommen
Die Parameter stammen aus denselben Tabellen, die auf den Seiten zu MIG/MAG, WIG und zum Strom beim Lichtbogenhandschweißen stehen: Durchmesser des Zusatzwerkstoffs, Strom, Spannung und Gasdurchfluss werden nach der Dicke gewählt. Die Nahtvorbereitung rechnet dieselbe Funktion wie der Rechner zur Nahtvorbereitung — Winkel, Spalt und Steg sind im Blatt dieselben wie dort. Vom Generator selbst kommen nur die Wahl von Zusatzwerkstoff und Schutzgas nach Werkstoffgruppe und die Aufteilung auf die Zeilen der EN ISO 15609-1.
Er rechnet keine Streckenenergie: darin steckt die Schweißgeschwindigkeit, und die misst man am Prüfstück — im Blatt bleibt dafür eine leere Zeile. Er kennt deine Schmelze nicht: die Vorwärmung ist hier für Gruppe und Dicke üblich, den genauen Wert liefert EN 1011-2 über das Kohlenstoffäquivalent. Er kann kein Aluminium: dafür braucht es 131 und 141 und andere Parameter, und solche Tabellen hat die Seite noch nicht — Zahlen in einem Dokument zu raten, das zur Abnahme geht, ist nicht vertretbar. Und vor allem: Er qualifiziert kein Verfahren.
Von der pWPS zur WPS
Die Reihenfolge ist diese: Du schreibst die pWPS, schweißt danach ein Prüfstück, gibst es zur Prüfung, bekommst den WPQR-Bericht — und erst dann wird aus demselben Blatt eine WPS. Solange der Bericht fehlt, bleibt das Dokument vorläufig, so sauber es auch ausgefüllt ist.
Die Qualifizierung deckt keinen Einzelfall ab, sondern einen Bereich: andere Dicken, Durchmesser und Positionen, die hineinfallen, brauchen keine eigene WPQR. Genau deshalb wählt man das Prüfstück nicht nach Bequemlichkeit, sondern nach dem Bereich, den es einbringt.
pWPS ausfüllen: Feld für Feld
Das Blatt des Generators hat fünf Blöcke in derselben Reihenfolge wie EN ISO 15609-1. Die ersten vier füllt der Generator, den fünften du. Unten steht, was jede Zeile bedeutet und wo das Papier am häufigsten von dem abweicht, was am Schweißplatz wirklich passiert.
Stoß und Werkstoff
Prozess nach ISO 4063 ist eine Nummer, kein Name: 111 (Lichtbogenhandschweißen), 135 (MAG mit Massivdraht), 136 (Fülldraht unter Schutzgas), 141 (WIG). In die pWPS gehört die Nummer, weil der Geltungsbereich an ihr hängt: Für die Abnahme sind 135 und 136 zwei verschiedene Prozesse. Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608: 1.1 sind Stähle mit Streckgrenze bis 275 MPa (S235, S275), 1.2 bis 360 MPa (S355). Die Gruppe kommt aus dem Abnahmeprüfzeugnis des Blechs, nicht aus der Zeichnung. Nahtvorbereitung, Öffnungswinkel α, Spaltbreite b und Steghöhe c rechnet dieselbe Funktion wie der Rechner für die Nahtvorbereitung; bei der Kehlnaht bleiben diese drei Zeilen leer, weil die Kanten nicht angefast werden. Position wird mit dem Kurzzeichen nach ISO 6947 geschrieben (PA, PB, PC, PF, PG, H-L045): „senkrecht“ reicht nicht, weil daraus nicht hervorgeht, ob steigend oder fallend. Die Kurzzeichen erklärt die Seite zu den Schweißpositionen.
Zusatzwerkstoff und Gas
Die Bezeichnung des Zusatzwerkstoffs steht vollständig mit Normnummer: „EN ISO 14341-A G 42 2 M21 3Si1“, nicht „SG2-Draht aus dem Lager“. Der Handelsname darf daneben stehen, geprüft wird aber die Einstufung. Durchmesser und Gasmenge kommen aus der Parametertabelle nach Dicke. Das Gas wird als Kurzzeichen nach ISO 14175 geschrieben (M21 — Argon mit 18 % CO₂); bei nichtrostendem Stahl mit 135 setzt der Generator M12, weil Kohlenstoff aus dem Gas die Naht aufkohlt.
Parameter und Wärmeführung
Strom und Spannung sind Bereiche, keine Einzelwerte: Den genauen Arbeitspunkt stellt man am Prüfstück ein, und genau dieser landet später im Bericht. Die Lagenzahl im Blatt ist die Unterscheidung einlagig / mehrlagig, weil der Geltungsbereich genau so unterscheidet. Die Vorwärmung ist typisch für Gruppe und Dicke — für die konkrete Schmelze rechnest du sie mit dem Vorwärmrechner und dem Kohlenstoffäquivalent aus dem Zeugnis. Die Zwischenlagentemperatur ist eine Obergrenze: für die Gruppen 1 und 2 schreibt der Generator 250 °C, für 3.1 200 °C, für nichtrostenden Stahl 8.1 150 °C.
Was du selbst einträgst
pWPS-Nummer, Hersteller, Schweißer, Datum, Unterschrift — und die Streckenenergie. Die ergibt sich erst am Prüfstück: Raupenlänge und Zeit messen, Strom und Spannung in den Rechner für die Streckenenergie eingeben. Die Zeile „Bezug auf WPQR“ bleibt leer, solange es keinen Bericht gibt.
Beispiel: Prozess 135, Blech 10 mm, Kehlnaht in PB
Eingaben: 135, Gruppe 1.1, Dicke 10 mm, Durchmesser 0 (Blech), Kehlnaht, Position PB. Der Generator füllt das Blatt so:
| Zeile | Wert | Herkunft |
|---|---|---|
| Nahtvorbereitung | Kehlnaht ohne Nahtvorbereitung; α, b, c leer | Stoßart |
| Zusatzwerkstoff | EN ISO 14341-A G 42 2 M21 3Si1, Ø 1,2 mm | Gruppe 1.1 + MAG-Tabelle, Zeile 8–10 mm |
| Gas | M21 — ArC-18, 16–18 l/min | ISO 14175 + MAG-Tabelle |
| Strom, Spannung | DC+, 220–280 A, 26–29 V | MAG-Tabelle, Zeile 8–10 mm |
| Lagen | mehrlagig | Kehlnaht, Blech über 4 mm |
| Vorwärmung / Zwischenlage | nicht erforderlich / 250 °C | Gruppe 1.1 bis 25 mm |
| Wärmebehandlung | nicht erforderlich | Gruppe 1.1 |
So liest man das. Der Strombereich stammt aus der Tabellenzeile für 8–10 mm und gilt für die Dicke, nicht für die Position: In PB läuft das Bad auf den unteren Schenkel, deshalb wird der Arbeitspunkt am Prüfstück so gewählt, dass am senkrechten Schenkel keine Einbrandkerbe entsteht. Der gewählte Punkt — konkreter Strom und Spannung — gehört in die Aufzeichnung des Prüfstücks, nicht in die pWPS. Vorwärmung trägt der Generator nicht ein, weil die Schwelle für Gruppe 1.1 bei 25 mm liegt; zeigt das Zeugnis aber ein hohes Kohlenstoffäquivalent, entscheidet der Vorwärmrechner, nicht das Blatt.
Prüf vor dem Schweißen des Prüfstücks den Bereich: Der Rechner für den WPQR-Geltungsbereich gibt für eine Kehlnaht an 10 mm Bleche von 5 bis 12 mm. Hat die Fertigung auch 15 mm Blech, schweiß lieber gleich ein dickeres Prüfstück als später eine zweite WPQR.
Wie es mit der pWPS weitergeht
- Tabelle (CSV-Knopf) in die Firmenvorlage übernehmen, Nummer vergeben, Hersteller eintragen.
- Geltungsbereich prüfen und das Prüfstück so wählen, dass es die Dicken und Positionen der Fertigung abdeckt.
- Prüfstück nach der pWPS im Beisein der Prüfstelle schweißen; tatsächlichen Strom, Spannung, Geschwindigkeit und Temperaturen aufschreiben.
- Prüfstück nach EN ISO 15614-1 prüfen lassen (Sichtprüfung, Eindring- oder Magnetpulverprüfung, Durchstrahlung oder Ultraschall, zerstörende Prüfungen — der Umfang hängt vom Stoß ab).
- Bei bestandenem Ergebnis erhältst du den WPQR-Bericht; auf dessen Grundlage stellst du eine WPS für die Fertigung mit Parametern innerhalb des Bereichs aus.
Mehr zum Dokument selbst und seinen Zeilen — im Artikel zur vorläufigen Schweißanweisung pWPS.
Häufige Fehler in der pWPS
- Handelsname statt Einstufung des Zusatzwerkstoffs. „Draht 1,2 vom Händler“ lässt nicht prüfen, ob der Zusatz zur Werkstoffgruppe passt. Bezeichnung mit Norm schreiben.
- Eine Zahl statt eines Bereichs. „250 A“ in der pWPS verpflichtet, das Prüfstück genau mit 250 A zu schweißen. Ein Bereich lässt Raum zum Einstellen, der tatsächliche Wert kommt ohnehin in den Bericht.
- Position in Worten. „Senkrecht“ ist PF oder PG, und der Unterschied verändert den Bereich: Ein PF-Prüfstück deckt die Fallnaht PG nicht ab, und bei Anforderungen an Kerbschlagarbeit oder Härte wird steigend zudem mit höherer Streckenenergie geschweißt als fallend.
- Werkstoffgruppe aus der Zeichnung. Die Zeichnung sagt S235, das Zeugnis S355J2 — weil das auf Lager war. Qualifiziert wird, was wirklich geschweißt wurde.
- Das „einfachste“ Prüfstück. 6 mm Blech in PA ist bequem, deckt aber wenig ab. Das Prüfstück wählt man nach dem Bereich der Fertigung.
- pWPS in der Halle statt WPS. Solange kein Bericht vorliegt, wird nach der pWPS nur das Prüfstück geschweißt.
Häufige Fragen
Worin unterscheidet sich die pWPS von der WPS?
In den Feldern gar nicht — sie sind dieselben. Den Unterschied macht der Bericht: Hinter der WPS steht eine WPQR, die bestätigt hat, dass nach diesem Blatt eine einwandfreie Naht entsteht; der pWPS fehlt sie noch. Deshalb schweißt man nach einer pWPS ein Prüfstück und kein Bauteil.
Darf man in der Fertigung nach einer pWPS schweißen?
Nur dort, wo ein qualifiziertes Verfahren überhaupt nicht gefordert ist. Sobald die Arbeit nach EN 1090 oder ISO 3834 abgenommen wird und der Auftraggeber eine WPS verlangt, braucht es den WPQR-Bericht — ohne ihn ist das Blatt kein Dokument, sondern eine Absicht.
Warum bleibt die Zeile zur Streckenenergie leer?
Weil die Schweißgeschwindigkeit darin steckt und sich nicht aus der Dicke ableiten lässt: Sie hängt vom Schweißer, von der Position und vom Lauf des Schmelzbads ab. Strom und Spannung gibt der Generator; die Geschwindigkeit misst du am Prüfstück und rechnest die Streckenenergie mit dem eigenen Rechner.
Warum fehlt Aluminium?
Weil es andere Prozesse (131 und 141), andere Zusatzwerkstoffe und andere Parameter braucht und die Seite dafür noch keine Parametertabellen hat. Stahlwerte hier einzusetzen hieße, der Abnahme ein Dokument mit falschen Angaben vorzulegen.
Wer unterschreibt die pWPS — darf das der Schweißer?
Die pWPS ist ein Dokument des Herstellers, nicht des Schweißers: Sie erstellt und unterschreibt, wer für die Schweißtechnik verantwortlich ist — in einem Betrieb nach ISO 3834 oder EN 1090 die Schweißaufsicht. Der Schweißer trägt sich in die Zeile „Schweißer und Stempel“ erst beim Prüfstück ein, weil genau seine Hand geprüft wird.
Braucht die pWPS ein bestimmtes Formular?
Nein. EN ISO 15609-1 zählt auf, welche Angaben das Dokument enthalten muss, und gibt im Anhang ein Musterformular als Beispiel, nicht als Pflicht. Deshalb taugt die Tabelle des Generators als Entwurf: Du übernimmst sie in deine Firmenvorlage und ergänzt Nummer, Hersteller und Unterschrift.
Welchen Dickenbereich deckt ein nach dieser pWPS geschweißtes Prüfstück ab?
Das hängt von Stoßart und Lagenzahl ab. Für das Beispiel auf dieser Seite — Kehlnaht an 10 mm Blech — gibt der Rechner für den WPQR-Geltungsbereich Bleche von 5 bis 12 mm. Ein mehrlagiges Stumpfnaht-Prüfstück mit 10 mm würde 3 bis 20 mm abdecken. Prüf das vor dem Schweißen des Prüfstücks, nicht nach der Prüfung.
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