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pWPS: die vorläufige Schweißanweisung

Eine pWPS sieht aus wie eine fertige Anweisung und enthält genau dieselben Felder. Eines trennt sie: niemand hat bisher geprüft, ob die darin festgelegten Parameter eine Naht ergeben, die den Anforderungen genügt. Sie ist ein Vorschlag, kein Nachweis.

Kurze Antwort

Die pWPS (preliminary Welding Procedure Specification) ist der Entwurf einer Schweißanweisung. Die Schweißaufsicht legt darin Verfahren, Werkstoff, Nahtvorbereitung, Stromwerte, Gas, Vorwärmung und Lagenaufbau fest — alles, was später in der fertigen WPS steht. Danach wird nach der pWPS ein Prüfstück geschweißt, das Prüfstück wird geprüft, und besteht es, entsteht ein WPQR und aus der Anweisung wird eine vollwertige WPS.

Die drei Dokumente in einem Satz: die pWPS schlägt vor, der WPQR beweist, die WPS gilt.

Woher ihre Zahlen stammen

Eine pWPS ist keine Raterei — jedes Feld hat seine Quelle. Genau dieser Teil der Arbeit unterscheidet die Schweißaufsicht vom Bediener:

Feld der AnweisungWoher der Wert kommt
Verfahren nach ISO 4063 Wahl der Schweißaufsicht — Ordnungsnummern
Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608 Aus dem Abnahmezeugnis; die Gruppe bestimmt den Geltungsbereich
Nahtvorbereitung nach ISO 9692-1 Dicke und Zugang — Schweißnahtvorbereitung
Strom, Spannung, Polung Elektroden- oder Drahtdurchmesser — Stromrechner
Streckenenergie Strom, Spannung und Schweißgeschwindigkeit — Rechner Streckenenergie
Vorwärmung nach EN 1011-2 Kohlenstoffäquivalent und Dicke — Vorwärmrechner
Schutzgas nach ISO 14175 Werkstoff und Verfahren — Gasauswahl
Anzahl und Anordnung der Lagen Fugenquerschnitt — Schweißgut und Lagenzahl

Je sorgfältiger die pWPS ausgearbeitet ist, desto größer die Chance, dass das Prüfstück beim ersten Mal besteht. Eine nicht bestandene Verfahrensprüfung kostet Werkstoff, Laborarbeit und Wochen an Kalenderzeit — an dieser Stelle zu sparen lohnt sich nicht.

Was danach mit ihr geschieht

Der übliche Weg sieht so aus:

  1. die Schweißaufsicht erstellt die pWPS;
  2. danach wird ein Prüfstück geschweißt — unter Aufsicht einer Prüfstelle oder eines Sachverständigen;
  3. das Prüfstück durchläuft zerstörungsfreie und zerstörende Prüfungen;
  4. die Ergebnisse gehen in den WPQR;
  5. auf dessen Grundlage entsteht die WPS für die Fertigung.

Die Verfahrensprüfung nach EN ISO 15614 ist der häufigste, aber nicht der einzige Weg. EN ISO 15607 lässt auch die Qualifizierung über geprüfte Schweißzusätze (15610), über frühere schweißtechnische Erfahrung (15611), über eine Standardschweißanweisung (15612) und über eine vorgezogene Arbeitsprüfung (15613) zu. Den Weg wählt der Hersteller, welche Wege im Einzelfall zulässig sind, entscheiden Besteller und Produktnorm.

Warum damit nicht produziert werden darf

Weil nichts sie belegt. Die Parameter darin mögen richtig sein — und sind es meist —, aber niemand hat sie mit Zug-, Biege- und Kerbschlagprüfung überprüft. Eine danach ausgeführte Naht kann die Anforderungen erfüllen, nur weist das kein Dokument nach, und bei Bauteilen unter EN 1090 oder der Druckgeräterichtlinie ist das Fehlen dieses Nachweises gleichbedeutend mit Nichtkonformität.

Zulässig ist nach einer pWPS allein das Prüfstück der Verfahrensprüfung und die vorgezogene Arbeitsprüfung nach EN ISO 15613, bei der statt eines eigenen Prüfstücks ein Bauteil geprüft wird, das die wirkliche Konstruktion abbildet.

Wer sie erstellt

Die schweißtechnische Aufsichtsperson des Herstellers nach EN ISO 14731. Ihr geforderter Kenntnisstand (IWE, IWT, IWS) richtet sich nach der Qualitätsanforderungsstufe nach EN ISO 3834: bei umfassenden Anforderungen braucht es den Ingenieur, bei elementaren genügt eine niedrigere Stufe.

Es ist dieselbe Person, die später dafür geradesteht, dass die Fertigung der qualifizierten Anweisung folgt — und das ist der eigentliche Grund, warum eine pWPS von einem Namen unterschrieben wird und nicht von „der Technik“.

Häufige Fragen

Darf nach einer pWPS produziert werden?

Nein. Die pWPS ist dazu da, ein Prüfstück zu schweißen und gegebenenfalls eine vorgezogene Arbeitsprüfung nach EN ISO 15613 zu fahren. Die Produktion verlangt eine Anweisung, die durch einen WPQR gedeckt oder auf einem der anderen Wege aus EN ISO 15607 qualifiziert ist.

Worin unterscheidet sich eine pWPS inhaltlich von einer WPS?

Inhaltlich in nichts: dieselben Felder nach EN ISO 15609-1, dieselbe Ausführlichkeit. Der Unterschied liegt im Status — die pWPS ist der Vorschlag des Schweißfachmanns, die WPS ist dieser Vorschlag, durch Prüfungen belegt. Deshalb trägt die pWPS keine WPQR-Nummer im Kopf und die WPS trägt sie.

Wer unterschreibt die pWPS?

Die schweißtechnische Aufsichtsperson des Herstellers nach EN ISO 14731, in der Praxis IWE, IWT oder IWS je nach gefordertem Kenntnisstand. Dieselbe Person verantwortet später, dass die Fertigung der qualifizierten Anweisung folgt.

Autor: SpawBaza Aktualisiert: