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Schweißerprüfung nach EN ISO 9606-1: Prüfung und Bescheinigung

Die Prüfung sagt nicht, dass jemand „schweißen kann“, sondern dass er eine bestimmte Art von Verbindung normgerecht ausführt. Aus dem Prüfstück folgt der Geltungsbereich, und aus dem Geltungsbereich, was du danach schweißen darfst.

Kurze Antwort

Die Prüfungsbescheinigung fasst alles in einem Kurzzeichen wie 135 P FW FM1 S t10 PB ml zusammen: Verfahren, Erzeugnisform, Nahtart, Zusatzwerkstoffgruppe, Dicke, Position. Jedes Feld ist eine Grenze und keine Beschreibung — außerhalb gilt die Bescheinigung nicht. Sie gilt drei Jahre, mit Bestätigung alle sechs Monate.

Aufbau des Codes einer Schweißerbescheinigung nach EN ISO 9606-1 mit den einzelnen Feldern
Der Code ist kein Aktenzeichen: jedes Feld begrenzt den Geltungsbereich.

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Ablauf der Schweißerprüfung Schritt für Schritt

Der Prüfungstag selbst ist kurz. Das meiste, was über das Ergebnis entscheidet, steht fest, bevor der Lichtbogen brennt.

  1. Anmeldung bei einer akkreditierten Stelle. Die Bescheinigung stellt ein Prüfer oder eine Prüfstelle aus, nicht der Arbeitgeber. Schweißkursstätten arbeiten meist mit einer solchen Stelle zusammen, die Anmeldung läuft dann oft über sie.
  2. Festlegen, was geprüft wird. Verfahren (111, 135, 136, 141 …), Blech oder Rohr, Stumpf- oder Kehlnaht, Zusatzwerkstoffgruppe, Dicke bzw. Durchmesser des Prüfstücks und Position. Jede dieser Entscheidungen wird ein Feld im Code und eine Grenze für das, was du später schweißen darfst — den nächsten Abschnitt also vor der Anmeldung lesen.
  3. Die Anweisung für das Prüfstück. Geschweißt wird nach einer WPS oder pWPS mit Nahtvorbereitung, Zusatzwerkstoff, Gas und Parameterbereich. Hat der Betrieb für diese Verbindung schon eine qualifizierte WPS, wird in der Regel sie verwendet, sonst wird für die Prüfung eine pWPS erstellt.
  4. Kennzeichnung. Vor dem Schweißen kennzeichnet der Prüfer das Prüfstück, damit nachweisbar genau dein Stück in die Prüfung geht — und in der Lage, in der du es geschweißt hast.
  5. Schweißen unter Aufsicht. Blech oder Rohr in der gewählten Position und mit dem zu prüfenden Verfahren. Der Prüfer beobachtet das Schweißen selbst, nicht nur das Ergebnis.
  6. Zuerst die Sichtprüfung, bewertet nach ISO 5817, in der Regel Bewertungsgruppe B mit einigen Ausnahmen. Was hier durchfällt, geht nicht weiter — die zehn Minuten für eine saubere Oberfläche lohnen sich.
  7. Dann je nach Werkstoff und Dicke Durchstrahlung (RT) oder Ultraschall (UT), oder stattdessen Biege- oder Bruchversuch; dazu kann ein Makroschliff kommen.
  8. Die Bescheinigung. Ist alles bestanden, stellt die Prüfstelle die Bescheinigung mit Code und Geltungsbereich aus. Gleich kontrollieren: Verfahren, Dicke, Durchmesser und Position müssen zu dem passen, was du tatsächlich geschweißt hast.

Der Code

Ein Beispiel: 135 P FW FM1 S t10 PB ml. 135 ist das Verfahren, P steht für Blech, FW für Kehlnaht, FM1 für die Gruppe des Zusatzwerkstoffs, S für Massivdraht, t10 für die Dicke des Prüfstücks, PB für die Position und ml für mehrlagig. Jedes dieser Felder begrenzt, was gilt.

FeldWas es verschlüsseltHäufige Werte
141Das Verfahren nach ISO 4063111 — E-Hand, 135 — MAG, 136 — Fülldraht, 141 — WIG
PErzeugnisformP — Blech, T — Rohr
BWNahtartBW — Stumpfnaht, FW — Kehlnaht
FM1Zusatzwerkstoffgruppe nach EN ISO 9606-1FM1 — unlegierte und Feinkornstähle, FM5 — nichtrostende und hitzebeständige, FM6 — Nickel und Nickellegierungen
SZusatzwerkstoffS — Massivdraht oder Stab, M — Metallpulverdraht
t8Dicke des Prüfstücks, mmt3, t8, t12 — daraus ergibt sich der Dickenbereich
PFPosition nach ISO 6947PA, PC, PF, PE, H-L045
ssEinseitig geschweißtbs — beidseitig
nbOhne Badsicherungmb — mit Badsicherung

Der Geltungsbereich

Aus der Dicke des Prüfstücks folgt ein Dickenbereich, aus dem Durchmesser ein Durchmesserbereich, aus der Position eine Menge abgedeckter Positionen. Bei den Positionen lohnt sich die Wahl des Prüfstücks am meisten: H-L045 am Rohr deckt fast alles ab, PA fast nichts. Nachrechnen im Geltungsbereich-Rechner.

Drei Angaben auf der Bescheinigung entscheiden alles: Dicke, Durchmesser und Position. Darunter steht, was jede davon abdeckt.

Dicke

Dicke des Prüfstücks t, mmAnerkannter Bereich
t < 3von 0,5·t bis 2·t
3 ≤ t < 12von 3 mm bis 2·t
t ≥ 12ab 5 mm aufwärts

Rohrdurchmesser

Durchmesserbereich aus der Rohrprüfung — nach derselben Regel wie im Rechner
Durchmesser des Prüfstücks D, mmAnerkannter Bereich
21,321,3…42,6 mm
25,025,0…50,0 mm
33,7≥ 25,0 mm
48,3≥ 25,0 mm
60,3≥ 30,2 mm
88,9≥ 44,5 mm
114,3≥ 57,2 mm
168,3≥ 84,2 mm
219,1≥ 109,6 mm

Position

Bestanden in PositionDeckt ab
PA — WannenlagePA
PB — HorizontalpositionPA, PB
PC — QuerpositionPA, PB, PC
PD — Horizontal-ÜberkopfpositionPA, PB, PD, PE
PE — ÜberkopfpositionPA, PB, PC, PD, PE
PF — SteigpositionPA, PB, PF
PG — FallpositionPG
H-L045 — Rohr unter 45°, steigendPA, PB, PC, PD, PE, PF, PH, H-L045
J-L045 — Rohr unter 45°, fallendPA, PC, PE, PG, J-L045

Welches Prüfstück? So deckt die Bescheinigung deine Arbeit ab

Rückwärts denken: Schreib die Verbindungen auf, die du wirklich schweißt — Dicke, Blech oder Rohr, Durchmesser, Positionen — und wähle das eine Prüfstück, dessen Geltungsbereich alle enthält. Die Beispiele rechnen mit denselben Regeln wie die Tabellen oben und der Rechner.

Blech 10 mm, Stumpfnaht in PF

10 mm liegt im Band 3 ≤ t < 12, der Bereich reicht also von 3 mm bis 2·t: 3 bis 20 mm. Die Position PF deckt PA, PB und PF ab. Das ist das meiste, was im Stahlbau anfällt: Knotenbleche mit 4 mm und Flansche mit 16 mm liegen drin, eine Überkopfnaht (PE) nicht.

Prüfstück aus 10-mm-Blech in PF geschweißt: Dickenbereich 3 bis 20 mm auf einer Skala 0–20 mm, abgedeckte Positionen PA, PB und PF, nicht abgedeckt PC, PD, PE und PG
Ein Prüfstück 10 mm in PF: Dicken von 3 bis 20 mm und die Positionen PA, PB, PF — das meiste im Stahlbau, aber keine Überkopfnähte.

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Dickere und dünnere Prüfstücke

Ein Prüfstück mit 15 mm liegt im Band t ≥ 12: ab 5 mm aufwärts. Gut für schwere Bauteile, aber 3 oder 4 mm sind damit nicht mehr erfasst. Am anderen Ende deckt ein 2-mm-Prüfstück 0,5·t bis 2·t ab, also 1 bis 4 mm — eine Dünnblech-Bescheinigung, die nicht bis in den Stahlbau reicht. Wer von dünnen Blechen bis 20 mm alles schweißt, fährt mit dem 10-mm-Prüfstück richtig.

Rohrdurchmesser

Über 25 mm beginnt der Bereich bei 0,5·D, nie unter 25 mm, ohne obere Grenze: eine Prüfung am Rohr 60,3 mm deckt ab 30,2 mm aufwärts ab. Für kleine Rohre gilt eine andere Regel — bis 25 mm reicht der Bereich von D bis 2·D, eine Prüfung an 21,3 mm deckt also nur 21,3 bis 42,6 mm ab. Wer Messleitungen und 60,3-mm-Prozessrohre schweißt, muss genau hinsehen: die 60,3-mm-Prüfung reicht nicht bis 21,3 mm hinunter.

Positionen: eine Rohrprüfung für fast alles

H-L045 — Rohr fest unter 45°, steigend geschweißt — deckt PA, PB, PC, PD, PE und PF ab. Nicht abgedeckt ist PG, die Fallposition; die deckt nur eine Prüfung in PG. Für das Blech gilt die Positionstabelle oben.

Blech oder Rohr?

Eine Rohrprüfung über 25 mm Durchmesser deckt auch Blech ab. Eine Blechprüfung deckt Rohr nur ab 75 mm Durchmesser, wenn das Rohr gedreht wird (und dann in PA, PB, PC und PD), feststehende Rohre ab 500 mm. Wer feststehende Rohre unter 500 mm schweißt, braucht die Prüfung am Rohr.

Faustregel: Prüfung in der schwierigsten Position ablegen, die du in der Fertigung wirklich schweißt, und an der Produktform, die den Rest mit abdeckt. Die leichteren Positionen kommen dann mit, umgekehrt nie. Vor der Anmeldung im Rechner prüfen.

EN 287-1 und ISO 9606-1

EN 287-1 ist die frühere europäische Norm für die Prüfung von Stahlschweißern; EN ISO 9606-1 hat sie ersetzt. Die Idee ist gleich geblieben — ein Prüfstück, ein daraus abgeleiteter Geltungsbereich, eine Unterschrift alle sechs Monate —, der Code ist aber anders aufgebaut. Falsch gelesen wird meist das vierte Feld: nach ISO 9606-1 steht dort die Zusatzwerkstoffgruppe (FM1–FM6), ältere Bescheinigungen nach EN 287-1 führten an dieser Stelle die Stahlgruppe. Neue Prüfungen werden nach ISO 9606-1 abgelegt. Wer noch eine EN-287-1-Bescheinigung hat, klärt mit dem Auftraggeber oder dem Prüfer, ob sie anerkannt wird, bevor er sich darauf verlässt.

Warum man bei der Schweißerprüfung durchfällt

Die Gründe häufen sich an den Prüfschritten, und die meisten sind zu sehen, bevor das Prüfstück abgegeben wird.

Bei der Sichtprüfung

Einbrandkerben, nicht vollständig gefüllte Fuge, zu hohe Nahtüberhöhung, ungleichmäßige Wurzel. Bewertungsgruppe B lässt wenig Spielraum: eine Einbrandkerbe darf höchstens 0,05·t und nie mehr als 0,5 mm tief sein, am 10-mm-Blech also 0,5 mm; eine nicht vollständig gefüllte Fuge ist gar nicht zulässig. Die Grenzen für deine Dicke zeigt der ISO-5817-Rechner, was die Gruppen bedeuten, die Seite zu ISO 5817.

Beim Biege- und Bruchversuch

Bindefehler an der Wurzel oder zwischen den Lagen. Von außen oft unsichtbar, aber der Biegeversuch reißt sie entlang der Schmelzlinie auf. Bindefehler (401) sind in keiner Bewertungsgruppe zulässig. Ursache ist zu wenig Wärme an den Flanken: zu schnell geschweißt, falscher Brenner- oder Elektrodenwinkel, eine Lage auf die vorige gelegt statt in die Ecke.

Auf dem Röntgenfilm

Poren, Schlacke, Bindefehler zwischen den Lagen. In Gruppe B darf eine Einzelpore (2011) bis 0,2·t groß sein, höchstens 3 mm. Poren kommen meist von schlechtem Gasschutz — Zugluft, eine zugespritzte Gasdüse — oder von einer schmutzigen oder feuchten Fuge.

Vor dem Zünden

Vorbereitung und Reinigung: ungleichmäßig geschliffene Fase, ein Spalt, der sich entlang der Naht ändert, Walzhaut oder Rost an den Flanken, Schlacke zwischen den Lagen nicht entfernt. Das korrigiert kein Prüfer, und alles davon zeigt sich in den Prüfungen.

Die Unterschrift alle sechs Monate

Sie ist keine Formalie, sondern die Bedingung für die Gültigkeit. Ohne sie läuft die Bescheinigung aus, auch wenn das Ablaufdatum noch weit weg ist — und dann sind die dazwischen geschweißten Nähte formal von einem nicht qualifizierten Schweißer ausgeführt worden. Wie es in Polen im Einzelnen geregelt ist, steht unter Schweißerprüfungen in Polen.

Wer unterschreibt

Der Arbeitgeber — in der Praxis die Schweißaufsicht bzw. der Schweißkoordinator. Die Unterschrift bestätigt genau eins: dass du in den letzten sechs Monaten im Geltungsbereich dieser Bescheinigung geschweißt hast. Nach drei Jahren folgt entweder eine Wiederholungsprüfung oder — wo dieser Weg offensteht — eine Verlängerung auf Grundlage dokumentierter Prüfungen an Fertigungsnähten; was möglich ist, sagt die ausstellende Stelle.

Wechsel des Arbeitgebers

Die Bescheinigung gehört dir und geht mit. Die Unterschrift nicht: ein neuer Arbeitgeber kann nur Arbeit bestätigen, die für ihn geleistet wurde. Also vor dem Wechsel beim alten Betrieb die Zeit dort bestätigen lassen, dem neuen am ersten Tag eine Kopie geben und darauf achten, dass die nächste Unterschrift innerhalb von sechs Monaten nach der letzten kommt. Kopien von Bescheinigung und Bestätigungen gehören in die eigene Ablage — Originale gehen in Betrieben erstaunlich oft verloren.

Mehr als sechs Monate Pause

Wer mehr als sechs Monate nicht mit dem Verfahren geschweißt hat — Krankheit, anderer Job, längere Zeit im Ausland —, hat nichts, was sich bestätigen ließe; die Bescheinigung erlischt, egal was das Drei-Jahres-Datum sagt. Der normale Weg zurück ist dann eine neue Prüfung.

Häufige Fragen

Wie lange gilt die Bescheinigung?

Drei Jahre, unter der Bedingung, dass der Arbeitgeber alle sechs Monate bestätigt, dass im Geltungsbereich geschweißt wurde. Eine versäumte Bestätigung beendet die Gültigkeit vorzeitig — der häufigste Grund, warum eine Bescheinigung bei der Kontrolle nicht anerkannt wird.

Gilt sie in anderen EU-Ländern?

Ja. EN ISO 9606-1 ist eine europäische Norm, und eine Bescheinigung einer akkreditierten Stelle wird in der ganzen Union anerkannt. Die Verfahrensprüfung und die werkseigene Produktionskontrolle bleiben dagegen beim Hersteller.

Was steht im Code der Bescheinigung?

Verfahren, Produktform, Nahtart, Zusatzwerkstoffgruppe, Zusatzwerkstoff, Abmessungen und Position — in dieser Reihenfolge und stark abgekürzt. Genau daraus ergibt sich der Geltungsbereich, den der Rechner auf dieser Seite auswertet.

Welche Dicken deckt eine Prüfung am 10-mm-Blech ab?

3 bis 20 mm. Bei Prüfstücken von 3 mm bis unter 12 mm reicht der Bereich von 3 mm bis zur doppelten Prüfstückdicke. Position und Produktform sind eigene Grenzen: eine Stumpfnaht am Blech in PF deckt PA, PB und PF am Blech ab, Rohr nur ab 75 mm gedreht bzw. 500 mm feststehend.

Was ist der Unterschied zwischen ISO 9606-1 und EN 287-1?

EN 287-1 ist der Vorgänger, EN ISO 9606-1 gilt heute. Im Kurzzeichen steht an vierter Stelle jetzt die Zusatzwerkstoffgruppe FM1–FM6 statt der Stahlgruppe; eine alte Bescheinigung ist deshalb nicht Feld für Feld umzulesen. Neu geprüft wird nur nach ISO 9606-1, ob eine EN-287-1-Bescheinigung noch anerkannt wird, entscheidet der Auftraggeber oder die Prüfstelle.

Kann man die Bescheinigung ohne neue Prüfung verlängern?

Unter Umständen. Nach drei Jahren gibt es zwei Wege: eine Wiederholungsprüfung oder — wo dieser Weg offensteht — eine Verlängerung auf Grundlage dokumentierter Prüfungen an Fertigungsnähten. Welcher Weg für dich gilt, entscheidet die Stelle, die die Bescheinigung ausgestellt hat. Ohne lückenlose Halbjahresbestätigungen ist keiner von beiden möglich.

Autor: , Schweißer und Metallbauer Aktualisiert: