Reparatur und Instandsetzung
Reparatur ist die einzige Arbeit in diesem Bereich, die gebracht und nicht bestellt wird. Gebracht wird meist nach einem fremden Fehlversuch, also besteht die halbe Arbeit darin, die vorherige Naht zu entfernen.
Sechs Verfahren

- Riss — Enden bohren, Kanten fugen, zuschweißen. Ohne Bohrung läuft der Riss hinter der Naht weiter.
- Einsatz statt eines Stücks — wenn Metall verbrannt oder durchgerostet ist und nichts mehr zum Anschweißen bleibt.
- Fläche auftragen — Schaufel, Messer, Schnecke: das Maß kommt mit Schweißgut zurück, der Überschuss wird abgearbeitet.
- Gusseisen — Nickelelektrode, Stifte, kurze versetzte Nähte, langsames Abkühlen.
- Aluminium — Oxid entfernen, WIG mit Wechselstrom.
- Lagersitz auf der Welle — auftragen und auf Maß abdrehen.
Anhänger und Technik
Eine eigene und sehr häufige Gruppe: Rahmen, Deichseln, Schilde und alles, was am Anbaugerät bricht. Hier schlägt Reparatur den Ersatz fast immer, weil die Baugruppe groß und der Schaden örtlich ist.

Ein Pritschenanhänger entsteht für Papiere und Zulassung — das heißt, Maße, Kupplung und Beleuchtung müssen den Anforderungen genügen und nicht der Bequemlichkeit. Ein Schild oder ein Anbau für Einachser oder Quad kennt solche Grenzen nicht und wird nach Bedarf gebaut.
Wann Reparatur keinen Sinn ergibt
Drei Fälle, in denen Ablehnen ehrlicher ist:
- Das Teil arbeitet unter Druck oder in einem Hebezeug, und seine Belastungsgeschichte kennt niemand.
- Der Riss verläuft durch eine Zone, die bereits zweimal geschweißt wurde: das Metall ist dort überhitzt und spröde.
- Ausbau und Stillstand kosten mehr als ein Neuteil — diese Rechnung gehört davor, nicht danach.
Reparaturschweißen an Stahlkonstruktionen: von der Begutachtung bis zur Abnahme
Die Reparatur eines Carports, einer Treppe, eines Geländers oder eines Hallenrahmens unterscheidet sich von der Reparatur eines Maschinenteils dadurch, dass das Bauteil weiter etwas trägt. Deshalb beginnt man nicht mit dem Schweißgerät, sondern mit der Frage, wie man es entlastet und wie viel Material noch da ist. Ein belastetes Tragwerk ist Sache des Tragwerksplaners: Er entscheidet, ob ein Passstück reicht oder eine Verstärkung bzw. ein neues Bauteil nötig ist. Die Werkstatt ist dafür verantwortlich, dass die Reparatur so ausgeführt wird, wie sie geplant wurde.
- Begutachtung — Durchrostung, schichtweise Abblätterung, Risse an Nähten, Beulen und Durchbiegungen, lose Schrauben und Anker.
- Materialverlust messen — die tatsächliche Wanddicke mit dem Dickenmessgerät oder über eine Prüfbohrung; Rost nach Augenmaß wirkt immer kleiner, als er ist.
- Entscheidung — Passstück anstelle des herausgetrennten Abschnitts, Verstärkungslasche oder neues Bauteil; bei tragenden Teilen entscheidet die Berechnung, nicht das Aussehen.
Womit repariert wird: dieselben Profile und Laschen
Das Passstück wird aus demselben Profil gemacht wie das Bauteil: Eine andere Steifigkeit mitten in der Stütze oder im Träger verändert das Tragverhalten des Ganzen. Das Metergewicht steht in den Tabellen: Stütze 100×100×4 — 11,7 kg/m, 80×80×4 — 9,22 kg/m, Verband L 50×50×5 — 3,77 kg/m, Träger IPE 160 — 15,8 kg/m. Laschen und neue Fußplatten werden aus Blech geschnitten: 8 mm wiegen 62,8 kg/m², 10 mm — 78,5 kg/m². Ist genau dieses Profil nicht mehr erhältlich, wählt man den Ersatz nach Querschnittsfläche und Trägheitsmoment, nicht nach Außenmaßen — dabei hilft der Hohlprofil-Rechner.
Nähte bei der Reparatur: die Dicke zählt ab der gesunden Wand
Der häufigste Reparaturfehler ist eine Naht auf einer Wand, die es nicht mehr gibt. Die Regel „a höchstens 0,7 der Dicke“ gilt für die tatsächliche, gemessene Dicke: Eine 4-mm-Wand, auf 2,5 mm abgerostet, ergibt 0,7·2,5 = 1,75 mm, die kleinste tragende Naht ist aber a3 (Schenkel z ≈ 4,2 mm). Eine solche Naht lässt sich nicht ohne Durchbrand legen, also wird weiter herausgetrennt — bis ins Material mit voller Dicke. Bereich und Umrechnung zeigt der Kehlnahtrechner.
- Risse — Enden mit 3–4 mm anbohren, ausfugen und erst dann schweißen; sonst läuft der Riss aus derselben Spitze weiter.
- Unbekannter Stahl — alte Konstruktionen können aus Stahl mit mehr Kohlenstoff sein; das Kohlenstoffäquivalent zeigt das Risiko, der Vorwärmrechner die Temperatur.
- Nahtzone bis auf blanken Stahl — Farbe, Zink und Rost geben Poren, Zink zusätzlich Rauch, nach dem Zinkfieber droht.
- Laschen rundum schweißen — der Spalt unter einer nur abschnittsweise geschweißten Lasche ist die Stelle, an der der Rost neu beginnt, und zwar von innen.
Ablauf der Reparatur
- Entlasten — Hilfsstützen unter Träger oder Dach, bevor irgendetwas getrennt wird.
- Reinigen — Drahtbürste, Schleifer oder Strahlen der Reparaturzone bis auf blanken Stahl.
- Messen und Anreißen — Schnittlinie dort, wo die Wand volle Dicke hat.
- Heraustrennen und Vorbereiten — Nahtvorbereitung für die Stumpfnaht, Passstück mit Spalt für die Wurzeldurchschweißung.
- Schweißen — wechselseitig von gegenüberliegenden Seiten, damit sich das Bauteil nicht verzieht; Risse von den angebohrten Enden zur Mitte.
- Prüfung — Sichtprüfung der Nähte, bei tragenden Bauteilen Bewertung nach ISO-5817-Grenzwerten.
- Schutz und Rückbau der Stützen — Beschichtung der ganzen Reparaturzone; die Hilfsstützen kommen zuletzt weg.
Schutz nach der Reparatur
Ein montiertes Tragwerk kommt nicht ins Zinkbad, also bleiben nach der Reparatur nur vor Ort aufgebrachte Beschichtungen. Zinkfarbe mit dem Pinsel auf der Naht bringt 5–7 Jahre, Grundierung mit Lack 3–5; Feuerverzinkung (25+) lohnt nur, wenn das Bauteil ohnehin ausgebaut und komplett ersetzt wird. Die reparierte Zone wird breiter gestrichen als die Naht selbst: Rost liebt die Grenze zwischen alter und neuer Beschichtung.
Typische Fehler
- Trennen ohne Abstützung — ein unter Last getrenntes tragendes Bauteil sackt ab oder klemmt das Sägeblatt.
- Schweißen auf Rost und Lack — Poren, Bindefehler und eine Naht, die mit dem Zunder abfällt.
- Flicken auf Flicken — noch eine Lasche auf der durchgerosteten Wand statt Heraustrennen und Passstück.
- Dritte Schweißung an derselben Stelle — zweimal überhitzter Stahl ist spröde; ehrlicher ist, das Bauteil zu ersetzen.
- Kein Schutz nach der Reparatur — eine blanke Naht rostet in der ersten Saison.
Material berechnen: Beispiel Carport-Reparatur
Carport mit vier Stützen 100×100×4, deren untere 0,6 m am Betonübergang durchgerostet sind, und vier rostigen Verbänden. Reparatur: neue Passstücke für die Stützenfüße, neue Fußplatten 200×200×10 mm, neue Verbände.
| Bauteil | Profil | Länge, m | Stk. | kg/m | kg |
|---|---|---|---|---|---|
| Passstück Stütze | 100×100×4 | 0,60 | 4 | 11,7 | 28,1 |
| Verband | L 50×50×5 | 2,10 | 4 | 3,77 | 31,7 |
| Summe | 59,7 | ||||
| Mit 5 % Zuschlag | 63 | ||||
Die Profile ergeben 60 kg netto und 63 kg mit Zuschlag; die vier Fußplatten bringen weitere 13 kg. Die Kehlnaht a3 rund um die vier Stützen an den Platten sind 1,6 m und rund 0,12 kg Schweißgut. Stahl ist bei einer Reparatur der kleine Teil — der große sind Abstützen, Trennen, Vorbereiten und Beschichten. Die eigene Liste mit Platten und Schrauben rechnet der Stücklistenrechner.
Wie es weitergeht
Die metallurgische Seite steht getrennt: Gusseisen schweißen zu Nickelelektroden und Parametern, Aluminium schweißen zu Oxid und Wechselstrom, und Risse in Schweißnähten dazu, warum sie überhaupt entstehen. Erzeugnisse, die neu gebaut statt repariert werden, stehen unter Werkstatterzeugnisse.
Häufige Fragen
Warum wird ein Riss zuerst gebohrt?
Weil ein Riss eine scharfe Spitze hat, in der sich die Spannung staut. Ohne Bohrung zugeschweißt, wächst er hinter der Naht weiter — aus derselben Spitze, die im Metall geblieben ist. Ein Loch von 3–4 mm an jedem Ende nimmt die Kerbe heraus.
Ist Reparatur immer billiger als ein Neuteil?
Nein. Gerechnet wird mit Ausbau, Transport und Stillstand. Die Reparatur gewinnt, wo das Teil groß, selten oder abgekündigt ist; bei einem billigen Serienteil kostet allein der Ausbau oft mehr als der Ersatz.
Womit schweißt man Gusseisen?
Mit Nickelelektroden, kurzen, versetzten Nähten, hämmernd und ohne Überhitzung. Oft kommen Stifte dazu: sie halten die Naht mechanisch und nicht nur durch Haftung. Gusseisen mag kein schnelles Erwärmen und noch weniger schnelles Abkühlen.
Warum wird Aluminium mit Wechselstrom geschweißt?
Wegen der Oxidschicht. Aluminiumoxid schmilzt bei etwa 2050 °C, das Metall selbst bei 660 °C. Wechselstrom bricht die Schicht beim WIG-Schweißen in der positiven Halbwelle auf — nur deshalb entsteht überhaupt eine Naht.
Wie repariert man eine durchgerostete Stahlstütze?
Zuerst abstützen, was die Stütze trägt, dann den korrodierten Abschnitt bis ins gesunde Material heraustrennen, ein neues Stück desselben Profils einsetzen (100×100×4 wiegt 11,7 kg/m) und rundum verschweißen, zuletzt die Nähte mit Zinkspray oder Farbe schützen. Schweißen auf Rost und Lack gibt Poren, und eine Naht auf einer Wand, die dünner ist als geplant, trägt die Last nicht. Bei tragenden Bauteilen wird der Umfang der Reparatur mit dem Tragwerksplaner abgestimmt.
Darf man auf eine angerostete Wand schweißen?
Nicht, wenn das Bauteil etwas tragen soll. Die kleinste tragende Kehlnaht ist a3, die sinnvolle Obergrenze 0,7 der Wanddicke: Bei einer von 4 auf 2,5 mm abgerosteten Wand ergibt das 1,75 mm, eine tragende Kehlnaht passt dort also nicht. Die Restdicke misst man mit dem Dickenmessgerät oder über eine Prüfbohrung und trennt bis ins Material mit voller Dicke heraus.
Was ist vor dem Schweißen an einer alten Konstruktion zu tun?
Klären, woraus sie besteht: Die Sorte von Altstahl ist oft unbekannt, und von der Zusammensetzung hängt ab, ob vorgewärmt werden muss. Das Kohlenstoffäquivalent aus dem Zeugnis oder einer Analyse zeigt das Rissrisiko, der Vorwärmrechner die Temperatur. Farbe, Zink und Rost werden in der Nahtzone bis auf blanken Stahl entfernt.
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